Licht: Zehn Jahre Verbot der GlĂĽhlampen

Am 1. September 2009 fĂĽhrte das Verbot der ersten GlĂĽhlampen zu einem Aufschrei.

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Neues Licht: Zehn Jahre Verbot der GlĂĽhlampen

(Bild: Shutterstock)

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Was war das für eine Aufregung damals: Der Heidelberger Arzt Alexander Wunsch warnte etwa vor einem "Anstieg vieler Zivilisationskrankheiten"; der Münchener Lichtdesigner Ingo Maurer fürchtete, die Psychiater würden "massenhaften Zulauf bekommen". Als am 1. September 2009 im Rahmen der Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG das europaweite Verbot von 100-Watt-Glühlampen in Kraft trat, trafen zwei Welten aufeinander. Für die Experten der EU war das 130 Jahre alte Leuchtmittel in erster Linie ein gewaltiger – und unnötiger – Energieverschwender: Nur rund fünf Prozent der Energie setzt es in Licht um, der Rest entweicht als Wärme.

Für die Gegner hingegen wurde die Glühbirne schnell zum Symbol für alles Mögliche. Lichtdesigner Maurer bezeichnete sie etwa als "wunderbare Symbiose von Industrie und Poesie". Andere begriffen ihr Verbot als Übergriff der EU, die sich nun auch noch ­anmaßte, bis in die letzte Lampenfassung hineinzuregieren. Der damalige EU-­Parlamentarier Herbert Reul (CDU) – heute Innenminister Nordrhein-Westfalens – erregte sich über "vom Klimaschutzwahn getriebene Symbolpolitik"; der bayerische FDP-­Bundestagsabgeordnete Horst ­Meierhofer schimpfte über "Entmündigung" und "Fremdbestimmung" des Bürgers. "Der Glühbirnendiskurs ist längst zu einem Metakonflikt geworden, der medizinische, religiöse, biologische und epidemiologische Dimensionen annimmt", schrieb die "Welt".

Daneben gab es auch konkrete technische Kritik, denn als Alternative standen damals vor allem "Energiesparlampen" (genauer: Kompaktleuchtstofflampen) zur Verfügung. Sie erzeugten ungesundes Licht und enthielten Quecksilber. Leuchtdioden waren zunächst ein unerschwingliches Nischenprodukt. Seitdem haben sie allerdings eine rasante technische Entwicklung mitgemacht: Ihre durchschnittliche Effizienz stieg nach Angaben des Beratungsunternehmens Ö-quadrat seit Anfang des Jahrzehnts von rund 50 auf 90 Lumen pro Watt. Zum Vergleich: Klassische Glühbirnen bringen es auf 10 bis 30 Lumen. Parallel fiel der Preis von LEDs um über neunzig Prozent. Deutsche Kunden, die eine 60-Watt-Birne durch eine LED mit 10 Watt ­ersetzen, sparen laut Eurostat bei einer täglichen Brenndauer von drei Stunden gut 15 Euro Stromkosten im Jahr.

Auch bei der viel beklagten Lichtqualität hat die LED aufgeholt: Sie ist mittlerweile in einer breiten Spanne von Lichttemperaturen erhältlich. Zwei Drittel des Absatzes entfallen laut Ö-quadrat auf "warmweiße" LEDs mit 2.700 bis 3.000 Kelvin. Und für Nostalgiker gibt es LED-Lampen im Retro-Stil, die selbst schon kleine Designobjekte sind. "Es spricht vieles dafür, dass diese rasante technische Entwicklung viel langsamer oder auch nie erfolgt wäre, wenn die EU Industrie und Verbraucher nicht durch das stufenweise verschärfte Verbot unter einen gewissen Druck gesetzt hätte", schreibt der "Spiegel".

Kein Wunder, dass LEDs alle anderen Leuchtmittel vom Markt drängen. 2014 lag ihr Marktanteil laut Gesellschaft für Kon­sumforschung bei gut 38 Prozent, 2017 schon bei fast 61 Prozent. 2018 wurden auch Halogenlampen mit ungebündeltem Licht als vorerst letzte Kategorie vom Verbot betroffen. Wenn die letzten Glühbirnen durch LEDs ersetzt sein werden, erwartet die EU-Kommission eine europaweite Einsparung von 9,4 Terawattstunden pro Jahr – so viel wie der jährliche Energieverbrauch Estlands.
Allerdings hat der Gesetzgeber den Händlern ein Schlupfloch gelassen: Sie dürfen ihre Restbestände noch abverkaufen. Unter diesem Deckmantel kann man online weiterhin Glühbirnen aller Leistungsklassen kaufen, zum Teil sogar günstiger als vor zehn Jahren. Laut NDR handelt es sich dabei meist um illegal eingeführte Markenplagiate.

(grh)