Fallstricke beim Lottospiel im Web
Web.de hat eine Lotto-Annahmestelle im Internet eröffnet. Teilnehmen dürfen nur registrierte Nutzer: auf sie wartet ein Spiel mit einem gewissen Risiko.
Web.de hat in Zusammenarbeit mit jaxx eine Lotto-Annahmestelle im Internet eröffnet. Teilnehmen dürfen nur registrierte Nutzer: auf sie wartet ein Spiel mit einem gewissen Risiko.
Auf den ersten Blick hat das Angebot viele Vorteile: Rund um die Uhr können Web.de-Kunden Lotto-Tipps abgeben und das am Ziehungstag noch bis 17.30 Uhr, während die meisten Annahmestellen am Samstag um 16 Uhr schließen. Die Gewinne werden automatisch überwiesen und die Spieler erhalten vorab eine E-Mail. Außerdem können die Lottospieler per Einzugsermächtigung oder Kreditkarte zahlen, wohingegen die Web-Sites der 16 stattlichen Lottogesellschaften, auf die man über www.lotto.de gelenkt wird, nur Zahlungen von einem vorher eingerichteten und entsprechend gefülltem Konto erlauben.
Liest man jedoch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, wird man über die vorbehaltliche Annahme durch eine Lottogesellschaft aufgeklärt. Anbieter wie Web.de, jaxx und Tipp24.de sind demnach keine Kooperationspartner des Deutschen Lottoblocks, sondern Vermittler zwischen ihren Kunden und der Lottoannahmestelle.
"Dies ist, als würden Sie ihrem Neffen 10 Mark in die Hand geben und ihn mit ihrem Schein zur Annahmestelle schicken", bestätigte heise online die Sprecherin der Jaxx-Muttergesellschaft Fluxx in Kiel. Ob dieser "Neffe" dann tatsächlich dort mit den korrekten Zahlen ankommt oder die 10 Mark einsteckt, ist dann von dessen Zuverlässigkeit abhängig. Denkbar wäre sogar, dass ein unseriöser Vermittler auf eigene Kappe arbeitet und Gewinne aus eigner Tasche zahlt. Dies würde sich abgesehen von einem Millionengewinn immer noch rechnen, da beim Lotto ja ein Großteil der Einzahlungen nicht als Gewinn wieder an die Spieler zurückgehen.
Laut der Fluxx-Sprecherin gehen alle Tipps von jaxx und web.de an die Lottogesellschaft von Schleswig-Holstein, was natürlich die anderen Bundesländer mit Argwohn betrachten. Unklar ist noch, ob dies durch die bestehenden Gesetze zum Glückspiel und die Kooperationsvereinbarungen zwischen den 16 Gesellschaften gedeckt ist. Auch andere bundesweite Anbieter wie Faber, wo alles in den Topf von Nordrhein-Westfalen fließt, haben Schnittstellen zu nur einer Gesellschaft.
Die Staatlichen Lottogesellschaften, von denen es pro Bundesland eine gibt, dürfen wegen der sehr restriktiven Gesetzgebung und staatlicher Kontrolle keine Spiele auf Kredit erlauben. Die Zahlung per Kreditkarte ist zwar in einigen Bundesländern möglich, aber offenbar nur, weil die jeweiligen Gesellschaften das Verbot durch eine Bezahlgarantie ihres Finanzdienstleisters umgehen. Zudem müssen die staatlichen Betreiber etwa in Niedersachen am Samstag die Annahme um 16 Uhr schließen, da dann ein Notar die Tipps versiegelt. Einen Vorteil haben die Kunden jedoch bei den staatlichen Tipp-Sites: Sie nehmen sicher an den Sonderauslosungen des jeweiligen Landes teil. Web.de kann dies nicht garantieren. Außerdem hat dort der Tipper keinen Einfluss auf die erst später zugeteilte Nummer des Scheines, also auch nicht auf die Superzahl für den nächsten Jackpot.
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