Mein Tier
Der E-Scooter-Verleiher Tier verkauft seine ausgedienten, aber generalüberholten Gefährte an Privatkunden. Wir haben ausprobiert, was man bekommt.
(Bild: Tier)
- Matthias Sternkopf
Tier tauscht seine alte Flotte aus und ersetzt sie durch Modelle mit wechselbarem Akku. Alte E-Scooter, die nicht länger als vier Monate im Einsatz waren, werden generalüberholt und verkauft. Aber lohnt sich der Kauf eines neuen, alten Tier-Scooters?
Der myTier E-Scooter kommt in einer riesigen Verpackung. Kein Wunder, schließlich hat er keinen Klappmechanismus, steht also in voller Größe im Karton. Der fehlende Klappmechanismus ist Fluch und Segen zugleich. So ist myTier deutlich weniger mobil, passt zum Beispiel kaum in normale Autos. Der fehlende, oft anfällige Klappmechanismus macht den Roller aber nahezu unkaputtbar.
Auch in anderer Hinsicht müssen die Nutzer der Tatsache Tribut zollen, dass der Roller ausschließlich für den Sharing-Service konzipiert ist: Im Gegensatz zu anderen E-Scootern gibt es beim myTier keinen Knopf zum Starten. Nutzer müssen stattdessen die Tier-App auf ihr Smartphone laden und sich registrieren. Dort findet man im Menü ganz unten den neuen Punkt „myTier öffnen“. Nun sucht die App automatisch myTier-E-Scooter in der Nähe und verbindet sich nach der einmaligen Eingabe eines Passworts mit ihnen. Das geht auf Wunsch auch mit mehreren Nutzern. Auf die gleiche Art sperrt man myTier ab. Wer also sein Smartphone nicht dabei hat, kann myTier weder aktivieren noch deaktivieren.
Ein Nachteil für den Privatnutzer sind auch die 9,5-Zoll-Reifen aus Vollgummi. Ohne Schlauch und ohne Federung sind sie zwar sofort einsatzbereit und pannensicher. Allerdings federn sie Unebenheiten kaum ab und übertragen jede Bodenwelle direkt an E-Scooter und Fahrer. Um das abzumildern, setzt myTier auf eine Federung des Vorderrads. Trotzdem rollt es sich höchst unangenehm über Schotter, kleine Bordsteine und Kopfsteinpflaster.
Der Motor gehört nicht zu den stärksten, auch wenn Tier einen Spitzenwert von 700 Watt angibt. Wie bei allen E-Scootern mit Straßenzulassung regelt der Motor bei 20 Stundenkilometern ab.
Der Akku hat eine Kapazität von 461 Wattstunden und transportiert Fahrer je nach Gewicht, Strecke, Wetter und Geschwindigkeit laut Tier 25 bis 40 Kilometer weit. Das ist verglichen mit anderen E-Scootern ein sehr guter Wert. Auskunft über den Ladestand gibt das minimalistische Display, das versenkt in der Lenkstange mittig unter dem Lenker sitzt. Es zeigt neben der Batteriereserve in vier Abstufungen auch die Geschwindigkeit mit einer Nachkommastelle an. Das mitgelieferte Netzteil schafft bei 4 Ampere stolze 168 Watt. Damit ist ein leerer Akku in 2,5 Stunden wieder voll.
Tier verkauft den myTier auf der eigenen Website für 699 Euro. Der E-Scooter ist in vielen Punkten baugleich mit dem SXT Max, der neu knapp 1200 Euro kostet. Im Preis inbegriffen ist zudem eine zwölfmonatige Gewährleistung.
Hersteller: Tier Mobility Produkt: myTierPreis: 699 Euro (bsc)