Der frühe Vögel kann mich mal

Nachteulen fasst Hoffnung: Forscher aus Buenos Aires haben ein soziales Experiment in einer bisher unbekannten Größenordnung durchgeführt.

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Ich weiß, ich weiß, es gibt dringendere Probleme auf der Welt: Die Ausbreitung des Corona-Virus, die Abschottung Europas vor Kriegsflüchtlingen mit Stacheldraht und Waffengewalt oder auch schlicht der immer stärker werdende virulente Rechtsterrorismus in Deutschland.

Aber die Zeit fliegt, der März hat bereits begonnen, und Ende des Monats droht wieder die so genannte Sommerzeit. Und damit wieder leidige Diskussionen mit notorischen Frühaufstehern, die im fröhlichen Brustton der Überzeugung verkünden, das Stündchen früher sei doch nicht schlimm, da könne man sich doch schnell dran gewöhnen und das ganze mimimi mit gesundheitlichen Folgen sei doch eh alles nur Einbildung.

All jenen, die immer noch nicht verstanden haben, was ein sozialer Jet Lag ist, möchte ich - gewissermaßen präventiv - eine spannende, neue, wissenschaftliche Arbeit entgegenhalten. Forscher aus Buenos Aires haben nämlich ein soziales Experiment in einer bisher unbekannten Größenordnung durchgeführt. Sie ließen über 700 Schülerinnen und Schüler zu drei verschiedenen Anfangszeiten in die Schule gehen, Morgens, Mittags und am späten Nachmittag, und maßen die schulische Leistung.

Dass Schule in der Regel zu früh anfängt, ist keine neue Erkenntnis - ebensowenig wie die Vermutung, dass Frühaufsteher weniger Probleme mit einem frühen Schulbeginn haben als notorische Langschläfer. Das experimentell nachzuweisen ist jedoch leider ziemlich tricky. Denn man kann zwar den Chronotyp relativ leicht bestimmen und es gab auch schon diverse Experimente, in denen gezeigt wurde, dass Frühaufsteher mit einem frühen Schulbeginn besser zu Recht kommen und bessere Leistungen zeigen. Dass könnte aber auch daran liegen, dass der frühe Chronotyp nicht die Ursache der besseren Leistung ist, sondern nur der Randeffekt einer besonderen geistigen Ausstattung.

Um herauszufinden, ob die schulische Leistung etwas mit dem sozialen Jet Lag zu tun hat, müsste man ausprobieren, ob Spätaufsteher Abends bessere Leistungen zeigen. Und genau das haben die argentinischen Forscher erstmals tatsächlich gezeigt. Das Paper der Argentinier hinterlässt allerdings einige spannende Fragen: So ist die schulische Leistung von Frühaufstehern morgens tatsächlich besser – allerdings nur in Mathe und Chemie.Spätaufsteher zeigen Abends bessere Leistungen, allerdings vorwiegend im Sprachunterricht.

Angesichts dieser noch offenen Fragen empfehlen die Forscher, das Experiment dringend zu reproduzieren. Eine Forderung, der ich mich nur anschließen kann!

(wst)