"Gears Tactics" angespielt: Rundentaktik mit Kettensäge

Mit "Gears Tactics" feiert die erfolgreiche Shooter-Serie eine spektakuläre Premiere als Rundentaktikabenteuer.

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"Gears Tactics" angespielt: Rundentaktik mit Kettensäge

(Bild: Microsoft)

Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Andreas MĂĽller
Inhaltsverzeichnis

Bei "Gears of War" denkt man an dicke Wummen und packende Koop-Action. Schnell geht dabei unter, dass hinter dem brachialen Spektakel ein Deckungsshooter steckt, bei dem die richtige Taktik genauso entscheidend ist wie flinke Finger. Eigentlich logisch, dass jetzt mit "Gears Tactics" das erste Rundentaktikabenteuer erscheint: spektakulär, knackig und manchmal etwas eintönig.

Die Handlung spielt rund 10 Jahre vor dem ersten Gears of War. Der Krieg zwischen Menschen und den unterirdischen Locust ist in vollem Gange. Mittendrin: Gabe Diaz und sein kleiner Trupp vollbewaffneter Soldaten. Sie sind auf einer Geheimmission, um einen Locust-Wissenschaftler auszuschalten, der an einer Art Supersoldat bastelt. Mit der Zeit wächst der Trupp zu einer kleinen Armee, aber nicht jeder im Team spielt mit offenen Karten.

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Was sofort beim Spielen auffällt: Im Vergleich zu XCOM wird die Story nicht nur durch Dialoge, sondern aufwändige Cut-Scenes inszeniert. Städte werden in Trümmer geschossen, riesige Monster stürzen sich auf den kleinen Trupp und in den Dialogszenen werden die Spannungen in der zusammengewürfelten Truppe deutlich. Allerdings steckt unter der spektakulären Hülle wenig Tiefe – wer auf überraschende Story-Wendungen oder originelle Charaktere steht, ist hier fehl am Platz. Ähnlich wie das Shooter-Original ist Gears Tactics in der Gewaltdarstellung nicht zimperlich: platzende Köpfe, zersägte Locust und fliegende Körperteile gehören zum Alltag.

Spielerisch muss sich Gears Tactics vor dem großen Vorbild XCOM nicht verstecken. Wie im Genre üblich steuern die Spieler eine Handvoll Soldaten durch die Ruinen und versuchen die Gegner auszutaktieren. Jeder Soldat hat in der Regel dafür drei Aktionspunkte frei, um sich zu bewegen oder seine Fähigkeiten und Waffen einzusetzen. Nimmt er einen Feind ins Visier, wird eine prozentuale Trefferwahrscheinlichkeit angezeigt. Geht ein Teammitglied zu Boden, kann es bis zu zweimal wiederbelebt werden.

Wie schon in XCOM gibt es vom Späher über den Railgun-bewaffneten Waffenexperten bis zum Sanitäter mit Heil-Granaten unterschiedliche Charakterklassen, die im Kampf effektiv eingesetzt werden sollten. Einen Basenbau gibt es dagegen nicht, neue Ausrüstung findet das Team in Beutekisten auf dem Spielfeld. Wenn die Soldaten in ihren Erfahrungsstufen aufsteigen, dürfen sich die Spieler in einem umfangreichen Fähigkeiten-Baum austoben. Der ist im Vergleich zu XCOM deutlich komplexer. Das ist ein Grund, warum sich Gears Tactics bei allen Gemeinsamkeiten mit XCOM anders spielt.

Gears Tactics angespielt (5 Bilder)

Spektakulär und knackig: Gears Tactics macht XCOM Konkurrenz.
(Bild: heise online)

Ein anderer Grund ist die Masse der Gegner – nicht selten muss das Team eine Stellung gegen Horden von Locust halten. Überall wuseln die Gegner herum, fallen in mehreren Wellen über die Soldaten her, nageln sie fest und kriechen aus Erdlöchern hervor. Die Spieler müssen gleich an mehreren Fronten den Überblick behalten und ihre Aktionspunkte überlegt einsetzen. Clever: Ist ein Gegner kampfunfähig, kann ein Soldat ihn mit einem blutigen Finishing Move "hinrichten", um einen weiteren Aktionspunkt für das gesamte Team einzukassieren.

Schnell wird der "Feuerschutz" (oder "Overwatch") zum Mittel der Wahl: Gebiet auskundschaften, Feuerschutz positionieren und auf die Gegner warten. Da sie nicht besonders clever sind, laufen sie meist mitten in den Feuerhagel und werden zum Kanonenfutter. Nur wenn das Team in den Missionen unter Zeitdruck Gefangene befreien oder Versorgungskisten einsammeln muss, während ein Bombenteppich immer näher rückt, muss man offensiver vorgehen.

Die Missionen ähneln sich: Gefangene befreien, Gegenstand zerstören, Stellung halten. Da sich auch visuell wenig verändert, wird das Spiel ab Mitte des zweiten Aktes etwas eintönig. Ärgerlicherweise wird die rund 30-stündige Spielzeit durch Nebenmissionen gestreckt, die nicht übersprungen werden können. Dagegen sind die langen und fordernden Bosskämpfe ein echter Höhepunkt. Wenn das Team gegen ein raketenwerfendes Monster oder den berüchtigten Corpser antritt, muss jeder Schritt genau überlegt sein. Schade, dass nur ein automatischer Speicherstand angelegt wird und die Spieler bei einer Niederlage an den letzten Kontrollpunkt zurückgeworfen werden.

Rosige Zeiten für Rundentaktikfans: Mit Gears Tactics von Splash Damage erscheint nach "XCOM Chimera Squad" in kurzer Zeit gleich das zweite gelungene Genre-Futter. Gears of War bewegt sich erstaunlich gekonnt auf neuem Terrain und verwöhnt die Spieler mit einer aufwändigen Inszenierung und einigen cleveren Ideen. Dass diese Rundentaktik manchmal etwas eintönig wird, sollte Genre-Fans nicht stören, denn damit hat auch XCOM zu kämpfen. Gears Tactics ist ein spannendes Taktikabenteuer, das mit viel Spektakel, einem knackigen Schwierigkeitsgrad und einem erfrischenden Spielstil auch Taktik-Fans für das Gears-of-War-Universum begeistern kann.

Gears Tactics erscheint am 28. April als Download für Windows und gehört zum Xbox Game Pass. Separat kostet es ca. 70 €. USK ab 18. (dahe)