Bauen wie in Berlin

14 Jahre ist der neue Hauptstadtflughafen nun schon im Bau. Die Macher des Satiremagazins Postillon haben das Desaster in ein Handyspiel gegossen.

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Bauen wie in Berlin

(Bild: Steckenpferd Enterprises UG)

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In Sachen geplanter Fertigstellung ist der BER, in Langfassung auch Flughafen Berlin Brandenburg "Willy Brandt" genannt, eine Art Running Gag der deutschen Architekturgeschichte. Er will und will nicht gelingen, wird immer teurer – und die ganze Sinnhaftigkeit des Projekts steht in Frage, da die Gebäude schon zur Eröffnung zu klein sein werden. Doch zum beherzten Abriss und kompletten Neubau hat sich noch keiner der Verantwortlichen durchgerungen, das wäre ja auch viel zu peinlich.

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Seit Herbst 2006 versuchen die Bauherren aus den Ländern Berlin, Brandenburg und vom Bund nun schon, die Anlage fertigzustellen, unzählige Chefs und Technikleiter wurden verschlissen und die Kosten sind mittlerweile auf mindestens 7 Milliarden Euro geklettert (Stand 2018). Angeblich ist der Bau im Oktober 2020 nun eröffnungsbereit, auch wenn viele Beobachter die Hoffnung längst aufgegeben haben.

Welche Bank soll die Kredite geben?

(Bild: Steckenpferd Enterprises UG)

Wer sich einen Eindruck davon verschaffen möchte, wie das alles passieren konnte, kann das nun auf iPhone und Android-Handy tun. Ausgerechnet das beliebte Satiremagazin "Der Postillon" hat zusammen mit den Indie-Spieleentwicklern vom Team Illusive Reflection ein Game entwickelt, das das Baudesaster Hauptstadtflughafen nachvollziehbar werden lässt. Der BER Bausimulator ist eine Mischung aus lustiger Fantasie (Mafia GmbH als Bauträger, Pfadfinder als Flughafenteilhaber) und bierernstem Realismus (die Kabel passen plötzlich nicht mehr in die Kanäle, Bauphase 3 platzt plötzlich wegen überschrittenem Budget). Man erstellt zuerst ein Verwaltungsgebäude, dann folgen die Lande- und Startbahnen, das Terminal und die Parkflächen. Und eben alles, was es bei einem Flughafen sonst noch gibt.

Das Spiel kommt wie andere Simulationen auch – man muss auf sein Budget achten, Kredite aufnehmen, Gebäude planen und auswählen und dann hoffen, den nächsten Eröffnungstermin nicht wieder zu reißen (was natürlich niemals klappt). Dabei ist das Game natürlich – genauso wie das Original – höchst frustrierend und blendet, wenn man die 2,29 Euro Freischaltungsgebühr nicht löhnt, nervige Reklame ein. Spaß macht's trotzdem und lehrreich ist es auch, zumal der Humor vor allem davon kommt, dass die Realität fast noch verrückter ist als die SImulation.

Gute Mitarbeiter sind wichtig.

(Bild: Steckenpferd Enterprises UG)

Erklärt wird das Spiel übrigens von einem alten Bekannten: Karl Klammer, Microsofts Office-Assistent, den alle hassten. Man hat ihn wieder aus der Mottenkiste geholt, um seine Rentenkasse aufzubessern, heißt es. Und die alte Büroklammer kündigt natürlich gleich zu Anfang an, dass zum Bau noch "Jede Menge Zeit" sei. Ganz problemfrei war die App anfangs übrigens nicht, aber die Entwickler von Illusive Reflection – deren Team natürlich einen echten "Verzögerungsbeauftragten" beinhaltet – haben recht schnell ein erstes Update vorgelegt. "Wir hoffen, damit einen großen Teil der aufgetretenen Probleme behoben zu haben", schreiben sie auf Twitter lapidar. Wenn der echte BER doch auch nur in Software existieren würde...

(bsc)