Peterchens Mondfahrt
Wenn Peter Hintze, Regierungskoordinator für die deutsche Luft- und Raumfahrt, mit seinem Lausbubenlächeln für eine deutsche Mondmission wirbt, gleitet auch dem strengsten Politik-Journalisten ein Lächeln über das Gesicht.
Der eigentlich recht dröge aktuelle Wahlkampf ist manchmal doch noch ein bisschen lustig. Jedenfalls, wenn man über eine ganz spezielle Sorte von Humor verfügt. Wenn Peter Hintze, Regierungskoordinator für die deutsche Luft- und Raumfahrt, mit seinem Lausbubenlächeln für eine deutsche Mondmission wirbt, gleitet auch dem strengsten Politik-Journalisten ein Lächeln über das Gesicht. Meint der das wirklich ernst? Deutsche zum Mond? Und dann zum Mars? Mit der Rakete zu den Planetenräumen – wenn das Wernher von Braun noch hätte erleben dürfen. Aber im Ernst, das ist doch ein Scherz, oder?
Ist es nicht. Tatsächlich ist die Idee an sich, weder wirklich neu noch so durchgeknallt, wie sie auf den ersten Blick aussieht. Walter Döllinger, ehemals Direktor für Raumfahrtprogramme bei der Raumfahrtagentur des DLR, hat seit Jahren für ein solches Vorhaben getrommelt, um der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie unter die Arme zu greifen.
Natürlich gab es die üblichen Reaktionen: Ex-Umweltminister Trittin beispielsweise spottete, Die Bundesregierung habe „kein Geld für Elektroautos, will aber 5,5 Millarden verschwenden, um auf den Mond zu fliegen und Schwarze Löcher zu erforschen. Die CDU sollte mal bei sich selber forschen – das ist reichlich schwarzes Loch.“
Das Argument zielt auf die Mobilisierung eines tief sitzenden Misstrauens: Wenn diese Forscher schon unsere hart erarbeiteten Steuergelder verjubeln, dann sollen sie damit wenigstens was nĂĽtzliches anstellen. Was aber ist nĂĽtzlich? Die Antwort wird bei Hintze sicherlich anders ausfallen als bei Trittin, bei Trittin anders als bei Steinmeier. Und, da bin ich mir sicher, alle haben sich von ihren Experten gute BegrĂĽndungen geholt.
Denn alle diese Politiker haben ein interessante Gemeinsamkeit: Sie sind davon überzeugt, dass im Grunde genommen nur Forscher wissen, was am besten geforscht werden sollte. Man muss ihnen halt nur die richtigen Vorgaben machen. Genau da aber liegt der Hase im Pfeffer. Das tief sitzende Misstrauen gegenüber Wissenschaft und technischem Fortschritt, das hierzulande immer mal wieder gerne unter der Überschrift „Technikfeindlichkeit“ präsentiert wird, hat genau hier seine Ursache: Die Menschen, die eigentlich über Sinn und Unsinn der Forschung entscheiden müssten, weil sie selbst von den Folgen dieser Forschung betroffen sind, haben in der Regel nicht die Möglichkeit, über diese Fragen zu entscheiden. Das ist im System nicht vorgesehen – und all zu oft wird ihnen auch vermittelt, dass sie von all diesem komplizierten Kram am besten die Finger lassen sollten. Ist ja mitunter echt gefährlich, dieses Wissenschaftler-Zeugs. Die Öffentlichkeit hat die Labore dieses Landes gefälligst nur zum Staunen zu betreten – Wissenschaft ist bestenfalls Aktion und Spektakel. Es wird höchste Zeit, diese Form der Märchenstunde zu beenden. (wst)