Der Generationenkonflikt, der keiner ist

Letzte Woche fuhr ich mit einem ungefähr 60-jährigen Taxifahrer, der völlig begeistert vom mobilen Internet war. Könnte es sein, dass die Durchdringung moderner Technik mehr mit Bedienbarkeit und weniger mit dem Alter zu tun hat?

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Man sagt ja bekanntlich, dass die Jugend stets zu neuer Technik neigt, während ältere Semester lieber nix Neues anfassen. In meiner Familie war das nur teilweise so: So bastelte etwa mein Großvater, der zu den ersten Fernsehbesitzern in unserer Stadt gehörte, noch mit über 70 an neuen digitalen Schaltungen.

Auch die Mitfahrt in einem mit iPhone ausgestatteten Taxi bestärkt mich in meiner Einschätzung, dass die Nutzung der neuesten Gadgets eher etwas mit Bedienbarkeit als mit Jugendlichkeit zu tun hat. Der Fahrer, ein Mann von ungefähr 60, plauderte mit mir über die neuesten Apps und zeigte, wie viele Programme er schon heruntergeladen habe. Mit seinem Handy und einer Wikipedia-Anwendung könne er seinen Kollegen in der Kneipe nun stets neues Wissen vermitteln oder Konflikte schlichten. Und beim Warten am Taxistand sei das Ding die beste Unterhaltung, die es gibt. "Das ändert wirklich alles."

Nun ist das iPhone bekannt als ein Gerät, dass mobiles Internet tatsächlich endlich vernünftig bedienbar machte. Meine Theorie deshalb: Die Jugend hat schlicht und einfach noch eine geringere Schmerzgrenze, mit schlecht gemachten Produkten umzugehen. Oder warum sonst ertragen sie miese SMS-Tastaturen, Bling-Bling-Handys ohne Bedienkonzept oder laut röhrende Spielekonsolen?

Übrigens zähle ich mich mit Mitte 30 inzwischen selbst langsam schon zur Avantgarde jener, die keinen Bock mehr darauf haben, jeden Interface-Schrott freiwillig mitzumachen. Aus diesem Grund wird mich Microsoft auch nicht ins angebliche Paradies Windows 7 locken können (gut, als virtuelle Maschine habe ich's schon...) und Office 2010 kommt mir auch nicht auf meinen Rechner.

Selbst auf dem bekannt bedienfreundlichen Mac gehöre ich inzwischen zu den Traditionalisten: So stieg ich erst kürzlich auf das aktuelle Betriebssystem Leopard um, weil wichtige Anwendungen erst eine ganze Zeit nach dem Update für mich so funktionierten, wie ich sie haben wollte. Genauso werde ich auch mit der nächsten Version Snow Leopard verfahren: Erst mal hübsch abwarten, bis das stabil ist, sonst lieber erst mal nur auf Testmaschinen.

Könnte Altersweisheit auch etwas mit dem beliebten Spruch "Never Change a Running System" zu tun haben? Man weiß einfach, dass man Dingen besser etwas Zeit gibt. Meine Neugier nach Neuem stoppt das natürlich nicht. Nur nutzbar muss es sein. (wst)