Comeback fĂĽr das Turnschuh-Netz
Dank der Telekom-Branche stockt seit mehreren Jahren der Ausbau schneller Breitband-Netze in Deutschland. Da ist der Versand von Festplatten per Post manchmal die klĂĽgere Idee.
Hübsche Idee: Wer beim Cloud-Hosting-Dienst von Amazon nicht Ewigkeiten auf die Beendigung vieler Gigabyte großer Uploads warten will, kann der Firma künftig einfach auch ganze Festplatten einschicken. Umgekehrt geht das natürlich auch, soll es einmal ein Komplett-Backup für Zuhause sein. Früher nannte man diesen Ansatz "Sneaker Net" - Netz per pedes. Das ist bei großen Datenmengen tatsächlich immer noch am schnellsten und stressfreiesten.
Der Service zeigt, dass wir trotz des ständigen Ausbaus breitbandiger Infrastrukturen noch immer nicht im echten Hochgeschwindigkeitszeitalter angekommen sind. Gigabit oder hunderte Megabit für Otto-Normal-Verbraucher? Fehlanzeige. 16 Megabit pro Sekunde sind bei ADSL2+ das Ende der Fahnenstange in Deutschland, mit VDSL sind es in den versorgten Ballungsräumen maximal 50, standardmäßig nur 25.
Bei mir persönlich gab es eine Zeit, in der ich jeweils immer die schnellste Netzverbindung haben musste; dank verbraucherunfreundlicher Verträge (24 Monate Laufzeit? Mit Zusatzdiensten, die niemand braucht?) und noch immer nicht vorhandenem Wettbewerb bei VDSL (ja, das könnte sich bald ändern, aber wer kennt schon die Bedingungen, die die Reseller planen?) hat das vor einigen Jahren aufgehört.
Auf dem Lande stockt es unterdessen so gewaltig, dass der Staat die Unternehmen mit Subventionen zu Investitionen locken muss. Da werden ein bis sechs Megabit plötzlich zu "High Speed" und man muss sich freuen, dass man überhaupt Breitband bekommt.
An der Technik liegt es nicht – wenn eines der Unternehmen tatsächlich investieren wollte, ließe sich beispielsweise aus der VDSL-Technik noch deutlich mehr herausholen, etwa 200 Megabit sind mit VDSL2 möglich. Parallel finden in der Forschung interessante neue Entwicklungen statt, die noch wesentlich höhere Übertragungsraten versprechen.
Träume vom Glasfaser bis ins Haus werden in Deutschland derweil nur ganz am Rande geträumt, drahtlose Vernetzungsideen scheitern an Bürokratie. Solange das so bleibt, wird die Menschheit wohl noch eine ganze Weile mit Festplatten oder USB-Sticks herumlaufen und so selbst zum wortwörtlichen Datenträger werden. Unsere Kinder werden darüber hoffentlich nur grinsen können. (wst)