Mache ich dann später
Wie man den Stress durch permanente Unterbrechungen reduzieren kann.
Das Telefon klingelt, das tolle, neue Tool zur digitalen Zusammenarbeit zeigt an, dass es neue Aktivitäten in der Gruppe gibt, und die neuen E-Mails fallen sanft in den Eingang wie Neuschnee auf den weihnachtlichen Wald. Bei alldem soll ich planen, redigieren, korrespondieren, recherchieren – und natürlich geistreiche Texte (wie diesen) hier schreiben. Sie kennen das...
Zum Glück ist das menschliche Gehirn eine wundersame Maschine, die unerledigte Aufgaben in eine Art Zwischenspeicher schiebt, wo man sie später wieder aufnehmen kann. Wenn mal Zeit ist.
Wie genau das eigentlich funktioniert, ist noch immer nicht wirklich verstanden. Sicher ist allerdings, dass – im Universum gibt es halt einfach nichts umsonst – die Methode zwar funktioniert, aber Kraft kostet. Je mehr unerledigte Aufgaben wir im Kopf behalten, und je länger die Unterbrechung dauert, desto mehr Energie müssen wir aufwenden, um einen Faden wieder aufzunehmen.
Jetzt haben Sophie Leroy von der University of Washington, Bothell und Theresa M. Glomb von der University of Minnesota eine einfache Methode entwickelt, um dieses Problem zu lösen: Man notiert den Stand der unvollendeten Arbeit, bevor man sich der neuen Aufgabe zuwendet. Klingt geradezu trivial, hat aber einen messbaren Effekt.
Es gibt da nur ein klitzekleines, praktisches Problem: "Einige mögen argumentieren, dass so etwas schwer umzusetzen sein könnte, wenn er z.B. von einem Vorgesetzten oder einem wichtigen Kunden unterbrochen wird", schreiben die Forscherinnen. "Aber es kommt darauf an, in welchen Kontext Sie das setzen; um Erlaubnis zu bitten, Notizen über die unterbrochene Aufgabe machen zu dürfen, damit man dann präsent und "mit beiden Ohren dabei" ist, werde sicher "allgemein geschätzt." Für rationale Wissenschaftlerinnen scheint mir diese Hoffnung außerordentlich idealistisch. Aber wer weiß? Vielleicht setzt sich die Idee ja sogar durch. So, und jetzt weiter. Wo war ich noch gleich stehen geblieben?
(wst)