Android-Smartphone Motorola Edge mit starkem Akku, aber noch ohne 5G im Test
Das Motorola Edge fällt durch lange Akkulaufzeit und viele Kameras auf. "Das perfekte 5G-Smartphone" soll es aber erst durch ein späteres Update werden.
5G in einem Smartphone für 600 Euro ist noch längst nicht alltäglich – kein Wunder also, dass Motorola diesen Punkt seines neuen Motorola Edge auf der eigenen Homepage besonders betont. Schade nur, dass die Käufer auf den Daten-Turbo noch eine ganze Weile warten müssen: Die 5G-Unterstützung kommt erst später per Update, wie uns der Hersteller auf Nachfrage bestätigte. Einen genauen Zeitplan gibt es freilich noch nicht. Derzeit plant Motorola mit August oder September, ohne Gewähr. Da muss die Kundschaft Geduld mitbringen.
Schickes Display mit Schwächen
Ein Hingucker ist das Edge ohnehin aus anderen Gründen. Es besitzt ein an den Längsseiten stark gebogenes Display, das sich etwa bis zur Hälfte um den Rand des Handys zieht – deutlich weiter also als bei einigen High-End-Modellen von Samsung oder Huawei. Das sieht beeindruckend aus, hat aber in der Praxis kaum Vorteile. Ja, die Kanten des 6,7 Zoll großen OLED-Bildschirms leuchten auf Wunsch auf, wenn Nachrichten eintrudeln, das kann praktisch sein. Es gibt auch einige neue Bediengesten. Im Normalbetrieb allerdings verzerrt die Darstellung an den Rändern nicht nur, sie wird auch von vorn betrachtet deutlich dunkler und es sind nicht immer alle Inhalte zu sehen.
In den Einstellungen lässt sich dieses sogenannte Randlos-Display für jede App separat ausschalten. Selbst dann geht die Anzeige aber immer noch ein bisschen um den Rand herum und wird über den flachen Teil des Displays hinaus erweitert. Ein weiterer Nachteil: Geht so ein gebogenes Display kaputt, kostet die Reparatur mehr als bei einem flachen Bildschirm. Immerhin sind Helligkeit, Blickwinkelstabilität und Ausleuchtung des Edge-Displays tadellos.
Hinten findet man gleich eine ganze Reihe untereinander angeordneter Kameras: Normalbrennweite mit 64 Megapixeln (Sensor: Samsung Isocell Bright GW1), Ultraweitwinkel mit 117 Grad Sichtfeld, Tele mit Zweifach-Vergrößerung sowie eine Time-of-Flight-Kamera für die Tiefenmessung. Die Selfie-Kamera an der Vorderseite knipst Selbstportraits mit bis zu 25 Megapixeln.
Die volle Auflösung von 64 Megapixeln bietet im Alltag keinen Vorteil, im Gegenteil: Mit 16 Megapixeln sind sogar ein wenig mehr Details zu sehen. Normalbrennweite, Tele und Ultraweitwinkel sind einander in der Farbwiedergabe erfreulich ähnlich, bei gutem Licht machen alle drei gute Bilder. Der Nachtmodus hellt die Szenerie stark auf und sorgt dafür, dass auf den Bildern viel zu sehen ist. Darunter leiden allerdings naturgemäß Schärfe und Details. Die ToF-Kamera, die zum Erstellen einer Tiefenkarte des Motivs dienen soll, bringt keine merklichen Vorteile – der Bokeh-Effekt sieht bei vielen Smartphones ohne so eine Extra-Kamera auch nicht schlechter aus. Die Selfie-Kamera neigt zum Weichzeichnen und verschluckt beim genauen Hinsehen so manches Detail, macht aber insgesamt ansehnliche Bilder.
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Android 10 mit schlauen Gesten
Auf dem Edge läuft Android 10. Motorola hat das Betriebssystem um praktische Gesten erweitert: Zweimal kurz das Handy schütteln und die Taschenlampe geht an, zweimal drehen und die Kamera startet, noch mal drehen und es wird von Haupt- auf Frontkamera gewechselt. Solche kleinen Alltags-Helferlein gehen schnell in Fleisch und Blut über. Bei den Updates hinkt Motorola etwas hinterher, das Edge steckte bis Fertigstellung des Tests noch auf dem Sicherheitspatch von Juni fest.
Die Entsperrung per Gesichtserkennung oder Fingerabdruck klappte im Test nicht immer beim ersten Mal, und sie war mit beiden Methoden auch recht langsam. Die Gesichtserkennung schaltete sich gar immer wieder von selbst wegen zu vieler fehlgeschlagener Versuche ab – während das Smartphone in der Tasche steckte. Das können andere besser. Der Prozessor hat unterdessen genug Power für alle Lebenslagen. 6 GByte Arbeitsspeicher werden auch in zwei, drei Jahren unter Android wohl noch ausreichen, der interne Speicher von 128 GByte ist per Speicherkarte erweiterbar. Praktisches Detail für alle, die gerne Kabel-Kopfhörer verwenden: Das Edge hat eine Klinkenbuchse neben dem USB-C-Anschluss.
Mit dem 4500-mAh-Akku kommt das Android-Handy locker über den Tag und auch noch bis zum nächsten Mittag – mindestens. Der Akku entpuppte sich im Test als enorm ausdauernd und spielte in unseren verschiedenen Akku-Tests stets weit vorne mit. Im Test mit Asphalt 8 hielt das Motorola Edge deutlich über 13 Stunden durch, beim Samsung Galaxy S20 Ultra war nach 10 Stunden Schluss. Das mitgelieferte Netzteil schaffte es von 0 auf 100 Prozent in mäßigen rund anderthalb Stunden. Drahtlos aufladen kann das Smartphone nicht.