TikTok will Algorithmus und Moderatorenkontrollen freigeben
TikTok will Dritten Einblick in den Algorithmus für vorgeschlagene Videos gewähren – und fordert andere soziale Medien dazu auf, es ihnen gleich zu tun.
(Bild: Primakov/Shutterstock.com)
Mit der Freigabe von Algorithmen und Moderatorenregeln will TikTok beweisen, dass das Unternehmen Verantwortung trägt und sich den US-amerikanischen Gesetzen verpflichtet fühlt. Mehr noch, sagt CEO Kevin Mayer, sollten es ihnen alle Unternehmen gleich tun und Algorithmen, Moderatorenrichtlinien und Datenflüsse Behörden zur Verfügung stellen.
"Wir werden nicht warten, bis es dazu Vorgaben gibt, sondern ein Transparenz- und Rechenschafts Zentrum für Moderationen und den Umgang mit Daten veröffentlichen", schreibt Mayer in einem Blogbeitrag von TikTok. Experten können dann in Echtzeit nachverfolgen wie Moderatoren ihre Arbeit machen und den Code untersuchen, der hinter den Algorithmen steckt. Das sorge für einen Vorsprung von TikTok vor anderen Unternehmen – denen Mayer auch sagt, sie sollten sich nicht nur ein Beispiel nehmen sondern einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft nehmen. Einen konkreten Termin gibt es noch nicht.
TikTok und die Tech-Giganten
Die Ankündigung von TikTok kommt am Tag, an dem die Vorsitzenden großer Techunternehmen vor dem US-Kongress aussagen mussten. Abgeordnete befragten Mark Zuckerberg, Sundar Pichai, Jeff Bezos und Tim Cook zum Umgang mit Wettbewerbern, Daten und Informationen zum US-Präsidentschafts-Wahlkampf. Die Anhörung habe ihn überzeugt, dass diese Unternehmen in ihrer heutigen Form eine "Monopol-Macht" besäßen, sagte der Vorsitzende des Unterausschusses für Wettbewerb und Wirtschaftsrecht, David Cicilline.
Während TikTok nicht vorgeladen war, erwähnte Facebook-Chef Zuckerberg, dass es Wettbewerb durch deren App gäbe. Zudem zeige der Fall, dass US-Unternehmen Freiheiten bräuchten, um mit der Konkurrenz aus China mithalten zu können. Es sei auch ein ideologischer Wettbewerb, schreibt er in den Notizen zur Anhörung. "Wir glauben an Werte wie Demokratie, Wettbewerb, Inklusion und Meinungsfreiheit auf denen die amerikanische Wirtschaft gründet." In China sei das anders.
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Auch darauf antwortet Mayer in seinem Blogbeitrag: "Wir wollen uns auf einen fairen und offenen Wettbewerb konzentrieren und uns nicht auf verleumderische Attacken des Mitbewerbers – namentlich Facebook – einlassen, der dies als Patriotismus verkauft, um uns damit aus den USA zu verbannen." Ohne TikTok hätte die amerikanische Werbewirtschaft nur wenige Möglichkeiten. "Wir sind nicht politisch, wir akzeptieren keine politischen Anzeigen und haben keine Agenda." Mayer ist zuversichtlich, dass TikTok auf lange Sicht verfügbar und erfolgreich sein wird.
Vorwurf der Nähe zu Chinas Regierung
Allerdings hat die US-Regierung nahezu gleichzeitig eine Überprüfung von TikTok wegen Sicherheitsbedenken eingeleitet. Das Wahlkampfkomitee von US-Präsident Donald Trump hatte im Juli eine Kampagne gegen TikTok gestartet. Dabei geht es immer wieder um eine mögliche Nähe des hinter dem Dienste stehenden Unternehmens ByteDance zur chinesischen Regierung. TikTok ist bemüht, die Plattform, die ausschließlich im Ausland verfügbar ist, von der Version im Land zu trennen und beteuert immer wieder, keine Daten an Behörden oder die Regierung in Peking zu geben.
(emw)