Teil der Lösung?

Ein Firmen-Konsortium will eine manipulationssichere Kennzeichnung fĂĽr authentische Fotos und Videos entwickeln. Aber die Technik ist nur ein Teil der Problems.

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Preisfrage: Ein Unternehmen kündigt an, eine Technologie zu entwickeln, die es ermöglicht, digitale Fotos und Videos eindeutig und fälschungssicher zu kennzeichnen. Um welches Unternehmen handelt es sich?

a) Giesecke und Devrient

b) Microsoft

c) Adobe

Nein, es ist nicht der Hersteller von Ausweisen und Chipkarten, oder das Unternehmen, dessen Office-Software die Welt beherrscht. Es ist Adobe. Der Hersteller von Photoshop - der prototypischen Bildbearbeitungssoftware, deren Namen mittlerweile ein eigenständiges Verb geworden ist. Fortschritt kann eben manchmal auch ironisch sein.

Ja, kein Scherz: Adobe hat gemeinsam mit anderen Unternehmen - unter anderem Twitter - eine Allianz gegründet, die „das Vertrauen“ in Bildmedien wieder herstellen will.

An sich eine gute Idee. Und nicht wirklich neu. Canon beispielsweise hat vor Jahren mal eine Software mit USB-Dongle verkauft, das Verfication Kit. Die Software hat aus den Daten des digitalen Bildes eine kryptographisch gesicherte Prüfsumme errechnet, die sie dann in den Bilddaten abgelegt hat. Bei jedem Aufrufen des Bildes hat die Verifikationssoftware dann eine neue Prüfsumme errechnet, und sie mit der gespeicherten verglichen. Stimmten beide Werte nicht überein, hatte jemand das Bild verändert. Nikon hatte eine ähnliche Lösung am Start.

Doch diese und möglicherweise noch andere Verfahren - die Aufzählung ist bestimmt nicht vollständig - haben sich am Markt nicht durchgesetzt. Denn wer will schon unbearbeitete Bilder abdrucken. Bilder, die eine - im wahrsten Sinne des Wortes - ungeschminkte Realität zeigen?

Also wird hier ein bisschen an der Gradationskurve gezogen, da ein bisschen beschnitten und dort ein wenig retuschiert. Wenn da jedesmal das Verifikationstool meckert, kann doch kein Mensch kreativ arbeiten, oder? Also verschwanden die Tools wieder in der Versenkung. Statt dessen wurde das digitale Aufhübschen immer mehr zum Standard. Bereits 2009 berichtete der Kollege Martin Kölling aus Japan von Kameras, die Porträt-Aufnahmen automatisch retuschieren.

Spätestens seit der breiten Verfügbarkeit von Deepfakes droht die digitale Bildbearbeitung nun aber, ihre eigenen Kinder zu fressen. Die Idee, einen Standard zu definieren, mit dem geprüft werden kann, was falsch ist, und was echt, sieht daher auf den ersten Blick bestechend aus.

Aber wäre sie nicht zugleich Teil der Lösung und Teil des Problems? Denn dass ein Software-Standard, geschaffen von mächtigen Unternehmen wie Adobe und Twitter künftig Fakes von authentischen Bildern unterscheiden soll, klingt in meinen Ohren wie geschaffen für die nächste Verschwörungstheorie. Dass das Vertrauen der Öffentlichkeit in Medien gesunken ist, ist kein technisches Problem, und kann folglich auch nicht durch technische Maßnahmen gelöst werden.

(wst)