Es wird böse enden

Verschwörungstheorien sind was für Anfänger. Die wirklich gruseligen Weltuntergangsszenarien liefern knallharte Wissenschaftler.

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Die Welt wird von einem Geheimbund regiert, der Kriege und Seuchen nach Belieben auslöst, um seine Herrschaft abzusichern? Und in Wirklichkeit sind das gar keine Menschen, sondern getarnte Reptiloiden? Durchgeknallter Unfug finden Sie? Ja, aber erstens haben Millionen Amerikaner allen Ernstes an diese Story geglaubt. Und zweitens scheinen Menschen auf eine finstere Art und Weise Spaß an schlimmen Nachrichten zu haben.

In Zeiten von Corona wird das besonders deutlich. Doom Scrolling wird das genannt - die beinahe schon zwanghafte Lust, die einen angesichts von Katastrophen befällt, immer und immer wieder auf die nächste Schlagzeile zu klicken, um sich zu bestätigen, dass es immer noch schlimmer kommen kann. Und weil die Wirklichkeit manchen Menschen nicht schlimm genug ist, flüchten sie sich halt in die Phantasie.

Dabei wäre das gar nicht nötig. Horror-Stories, Mystery Thriller und Verschwörungstheorien sind was für Anfänger. Der wirklich harte Stoff ist in den aktuellen Wissenschaftsnachrichten zu finden: Nehmen wir Seuchen zum Beispiel. Gut, die Anzahl der Toten durch Covid19 weltweit nähert sich der Million. Wir alle erinnern uns an die Bilder mit den gestapelten Särgen vom Frühjahr. Aber seien wir mal ehrlich - wirklich gruselige Pandemien stellen wir uns noch ganz anders vor. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Amöbe, die unser Gehirn frisst?

Gibt es wirklich. Laut diesem Bericht hier hat die texanische Stadt Lake Jackson den Kataststrophenfall ausgerufen, weil die Amöbe Naegleria fowleri in ihrer Wasserversorgung nachgewiesen wurde. Gelangt die Mikrobe auf die Schleimhäute, bewegt sie sich zielstrebig bis zum Gehirn, wo sie die Hirnzellen angreift - und zwar recht schnell. Sind die Symptome so deutlich, dass Ärzte den Befall diagnostizieren können, ist es in der Regel für eine Behandlung zu spät - und die Krankheit endet in über 90 Prozent aller Fälle tödlich.

Gruselig auch die Mörder-Hornisse, die sich zur Zeit in den USA ausbreitet. Die bis zu fünf Zentimeter langen Tiere - jedenfalls wenn es gewöhnliche Arbeiterinnen sind - verhalten sich sehr angriffslustig. In Japan sterben bis zu 50 Menschen pro Jahr an ihren Stichen. Jetzt warnen Wissenschaftler davor, dass die Tiere auf weitere Kontinente verschleppt werden könnten. Dann könnten sie sich beispielsweise auch in weiten Teilen Europas heimisch niederlassen.

Und zu gu­ter Letzt noch Nachrichten aus Sibirien: Umweltschützer warnen vor Zombie-Feuern. Das sind unterirdische Schwelbrände, die zum Teil seit Jahren vor sich hinschwelen und auch im grimmigen sibirischen Winter nicht mehr verlöschen, weil der Grundwasserspiegel vielerorts mittlweile zu niedrig ist. In den ungewöhnlich heißen und trockenen Sommern der vergangenen Jahre flammen die Brände dann auch oberidisch wieder auf und breiten sich immer weiter aus.

Wem das zu profan erscheint, dem empfehle ich mein Interview mit Katie Mack im aktuellen Heft. Die Astrophysikerin hat in ihrem neuen Buch durchgespielt, wie alles enden wird. Also wirklich alles. Das Leben, das Universum, und der ganze Rest. Die gute Nachricht ist, dass das Ende des Universums wahrscheinlich noch ziemlich lange auf sich warten lässt. Es sei denn, das Higgs-Feld ist instabil und es gibt einen energetisch niedrigeren Zustand darin. Dann könnte sich jederzeit eine Blase mit einer „grundsätzlich anderen Physik“ darin ausbreiten, und das gesamte Universum verschlingen.

Einen schönen Tag noch.

(wst)