Maschineller Nonsens
Janelle Shane hat ein sehr spezielles Hobby: Sie fĂĽhrt kĂĽnstliche Intelligenz gern aufs Glatteis.
Die KI-Forscherin trainiert neuronale Netze mit Kochrezepten, Helloween-Verkleidungen oder Anmachsprüchen und lässt sich daraus neue Varianten generieren. Das Ergebnis sind etwa gewürfeltes Schwein mit Glasscherben, Motten-Pferd- und Hai-Kuh-Kostüme sowie das fragwürdige Kompliment aus dem Buchtitel.
Solcher Nonsens ist nicht nur hochgradig unterhaltsam, sondern auch lehrreich, denn Shane erklärt anschaulich, wie solche Fehlleistungen entstehen. Oft sind es beispielsweise falsche Ziele oder Anreize, die Programmierer einem neuronalen Netz setzen.
Dann nämlich sucht die KI gern nach Abkürzungen. Soll ein simulierter Roboter beispielsweise möglichst schnell von einem nicht näher definierten A nach B kommen, erkennen trickreiche Algorithmen schnell, dass Umfallen schneller ist als Laufen – Problem gelöst.
Oder falsche Trainingsdaten: Da Schafe gern auf grünen Wiesen vorkommen, neigen Bilderkennungsalgorithmen dazu, solche Landschaften grundsätzlich als schafhaltig zu klassifizieren – ob da nun Schafe sind oder nicht.
Janelle Shane: „You look like a thing and I love you“ Voracious, 272 Seiten, 20,69 Euro (E-Book: 6,49 Euro)
(bsc)