Skoda Superb mit 170-PS-Diesel in der Praxis
Wer das Raumgefühl der Oberklasse sucht, aber keinen Wert auf Premium-Image legt, könnte mit dem Superb glücklich werden – für vergleichsweise wenig Geld
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Haar, 14. April 2009 – Was seinen Namen betrifft, gibt sich der Superb als Gernegroß, auf Selbstüberschätzung ist das allerdings nicht zurückzuführen. Superb ist Škodas Traditionsname aus einer Zeit, als der Autobauer ganz selbstverständlich in der Oberklasse mitspielte, in den 1930ern war die Planwirtschaft noch fern. Ein völlig anderes Bild zeigten die 70er, etwa im günstigen Jugoslawien-Urlaub, als auf den Zeltplätzen Ost- und Westgefährte einträchtig beieinander standen. Kiemenbelüftete Hecktriebler wie der Škoda 110 prägten lange das westliche Image der Marke. Mit diesen tschechischen Volkswagen hat der aktuelle Superb nichts mehr gemeinsam. Er hat sich aber immerhin eine volkstümliche Preisgestaltung bewahrt, selbst mit dem neuen 170-PS-Diesel, mit dem wir ihn fahren konnten.
Wohn-Mobil
Der Superb ist mit 4,84 Meter Länge gerade mal 24 Zentimeter kürzer als etwa die Mercedes S-Klasse oder ein 7er BMW. Der Grill des Tschechen steht aufrecht im Wind, könnte aber etwas mehr Präsenz vertragen. Auch die Seitenlinie wirkt vorne leicht abgehackt, während sie hinten in eine Art Fließheck übergeht. Insgesamt kann man sich mit dem Superb sehen lassen, er wirkt eigenständiger als die frühere Generation. Wir setzen uns vorne auf die etwas zu weiche Sitze und fahren das Gestühl möglichst weit nach hinten. Dann ab in den Fond – hier kann man beinahe schon die Beine ausstrecken. Das raumgreifende Heckabteil hält beim Platzangebot locker mit Fahrzeugen wie der S-Klasse mit. Die Rückbank lässt sich zudem im Verhältnis 60:40 umklappen. So vergrößert sich der Kofferraum, dem großen Fond-Bereich sei dank, von 565 auf enorme 1670 Liter.
Skoda Superb mit 170-PS-Diesel in der Praxis (17 Bilder)

Der Skoda Superb ist das Top-Modell der Tschechen-Palette.
Für Entscheider
Beim Kofferraum-Zugang hat sich Škoda etwas Besonderes ausgedacht: Soll man nur den kleinen Stummel-Deckel öffnen die komplette Fließheck-Klappe? Wer die komplette Öffnung will, muss erst einen Knopf neben dem Klappenöffnungs-Knopf drücken und kurz warten. Im Kofferraumdeckel surrt etwas, ein versteckter Mechanismus stellt sich um, dann lässt sich die große Klappe öffnen. Dieses Umstellen geht nicht per Fernbedienung sondern nur direkt am Fahrzeug – was zumindest im Winter schmutzige Finger mit sich bringt. Uns würde es genügen, wenn immer die ganze TwinDoor-Klappe geöffnet werden kann, die halbe Öffnung brauchen wir nicht. Trotzdem scheint diese Idee Schule zu machen: BMW hat sich das System für die Studie des 5er GT abgeguckt.