Was war. Was wird. Von plötzlichen Inkompatibilitäten und fehlenden Socken.
Aus, aus, aus! Das Spiel, äh, das Jahr ist aus! Kein trauriger Blick zurück? Alles wird gut? Nun, Hal Faber ist weiter auf der Suche nach dem Sinn des Lebens.
Tja, da mag manch Engländer noch so traurig gucken, der Kontinent ist endgültig abgeschnitten. Man kann selbst als Hund schlecht zur schottischen Bulldogge mutieren, so mir nichts, dir nichts ...
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Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.
Was war.
*** Eigentlich habe ich dieses elende, peinliche 2020 mit dem elenden Virus und seinen peinlichen Politikern in die innere Zwischenablage verabschiedet und möchte mich auf das strahlende, tolle 2021 konzentrieren, in dem bekanntlich alles besser wird. Doch ist die kleine Wochenschau aus der norddeutschen Tiefebene ein Blick auf die abgelaufene Woche oder sonstwelche abgestandenen Zeiten, da müssen wir noch einmal zurückschauen in die schlechte alte Zeit. Bekanntlich gibt es Lehren aus der Geschichte, nicht nur bei der Bestellung von Impfstoffen, bei der es wunderbar fehlerlos in den Behörden zugeht, in diesen unseren Tagen.
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*** Da ist in den USA der Loser Donald Trump, der mit einer Reihe von Geschäftsordnungstricks versucht, weiterhin Präsident der USA zu bleiben. Er ist von einer Spezialkampftruppe von Losern der vierten Brigade a.k.a. Four Seasons Landscaping umgeben. Da ist zum Beispiel ein Rechtsanwalt, der den Vizepräsidenten Mike Pence vor ein Erschießungskommando stellen und an seiner Stellen den von Trump begnadigten General Flynn zum Vizepräsidenten ausrufen möchte. Etwas gemäßigter ist da ein Politiker, der den Vizepräsidenten nur verklagen wollte, damit dieser einen Rechtsbruch begeht. Eine Eröffnung des Verfahrens wurde von einem Richter abgelehnt, den Trump installiert hat. Nach seiner Auffassung hatten die Argumente keine Substanz und sind verworren. Was die klagenden Anwälte damit begründeten, dass sie von technischen Problemen bedingt durch zahlreiche Inkompatibilitäten von Google Docs und Microsoft Word behindert worden seien.
*** Völlig ungehindert konnte indes die von Snowden aufgedeckte Abteilung der Tailored Access Operation ein bestelltes SNOM-Tischtelefon abfangen, aufschrauben und mit einer Platine zu einem Wanzofon erweitern und auch noch dafür sorgen, dass die Sendung auf dem Schreibtisch von Andy Müller-Maguhn landete. Dies wurde staunenden Zuhörern auf dem rC3 direkt vom Betroffenen erzählt und dokumentiert. Gut, der Congress fand diesmal remote statt, sodass das ungläubige Staunen vielleicht nur das eines einzelnen Betrachters war. Ich hatte bis anhin vermutet, dass gerade ein Hacker mit Kenntnissen über internationale Geheimdienste, der zudem zu den regelmäßigen Besuchern von Julian Assange in der Botschaft von Ecuador gehörte, jedwede Hardware aufschraubt und untersucht, ehe sie eingesetzt wird. Liest man sich die Folien zum Vortrag durch, bleibt indes das bekannte Problem der Attribuierung samt schlichter Lösung: "The CIA is reponsible for everything including the missing socks." Auf Deutsch: Die üblichen Verdächtigen sind die üblichen Verdächtigen, und wenn mal eine Socke fehlt, dann nur, weil sie die DNA des Trägers sichern mussten.
*** Ganz plötzlich und unverhofft kam er um die Ecke, der Brexit. Das Abkommen wurde begrüßt wie ein alter Bekannter vor der Corona-Pandemie, wie das halb vermoderte Netscape 4.0, mit einem herzlichen Schulterklopfen. Wird schon nicht so schlimm werden, Alter. Die irrwitzige Wichtigtuerei der Briten wird nun dazu führen, dass in Schottland bei den Wahlen eine Mehrheit für eine Aufnahme in die Europäische Union votieren wird, ganz wie Gibraltar. Und sonst so? Bemerkenswert war, was beim Eintritt von Großbritannien am 1. März 1973 mit in das "Europäische Haus" gebracht wurde: "Zu dem Besten, was wir Europa zu bieten haben, gehört wohl der Umgang mit uns, diesen kaum aus der Reserve zu lockenden, überheblichen, durch nichts aus der Fassung zu bringenden, unerschrockenen, verächtlichen und schlichtweg hinreißenden Leuten. Europa wird also die Ehre haben, Bekanntschaft mit den Briten schließen zu dürfen." Was von diesen in Erinnerung bleibt, sind Monty Python, die uns den Sinn des Lebens erklären konnten, mit der perfekten Turing-Maschine, die "ping" macht. Was bleibt, ist natürlich auch Douglas Adams, der Mann mit den 42 Handtüchern und des Meaning of Liff. Danke für all den Fisch rings um das Land.
*** Spät, aber nicht zu spät ist Einzelfälle zur Floskel des Jahres 2020 gewählt worden. Eigentlich durfte es per definitionem nur einen Einzelfall geben, schon der Plural ist eine Verrenkung sondergleichen. Was aber sind Hunderte von Einzelfällen bei der deutschen Polizei, der Bundeswehr und dem Verfassungsschutz. Die Dokumentation der Schande wird sicher 2021 weitergehen, mit Reichsbürgern und rechten Querdenkern in Klamotten mit Sprüchen in Fraktur, wie sie die nationale Bewegung liebt. Das war einmal anders: Heute vor 80 Jahren bestimmte Adolf Hitler, dass die deutsche Normalschrift die Fraktur ablöst. Sein Adlatus Martin Bormann verfasste einen geheimen Rundbrief, in dem es heißt: "Die sogenannte gotische Schrift als eine deutsche Schrift anzusehen oder zu bezeichnen ist falsch. In Wirklichkeit besteht die sogenannte gotische Schrift aus Schwabacher Judenlettern. Genau wie sie sich später in den Besitz der Zeitungen setzten, setzten sich die in Deutschland ansässigen Juden bei Einführung des Buchdrucks in den Besitz der Buchdruckereien und dadurch kam es in Deutschland zu der starken Einführung der Schwabacher Judenlettern." Die Anordnung kam mit einer falschen nationalsozialistischen Begründung: Juden war lange Zeit die Betätigung als Buchdrucker untersagt, erst recht der Besitz von Zeitungen. An die Perfidie der Judenlettern sollte man sich erinnern in einem Jahr, in dem Feiern zur 1700-jährigen Geschichte der Juden in Deutschland anstehen.
*** Oder ist das Edikt von Konstantin kein würdiger Feiertag? Ich weiß, an diesem Sonntag sind die Kirchen voller Christen, die an das "tapfere Mönchlein" denken und den 500. Jahrestag der Exkommunikation von Martin Luther und allen seinen Anhängern gedenken. Was am 3. Januar 1521 passierte, diese (immer noch gültige) Bannbulle, ist der "grausame Riss im Herzen der Christenheit". An dem Riss knabbern besonders diese Christen, die gegen die Aufnahme von Flüchtlingen aus den Elendslagern sind, die von einer echten Mitbürgerlichkeit reden oder die nach Syrien abschieben wollen. Diese drei CDU-Fruchtzwerge sind durch, es folgen die Heiligen Drei Könige mit den Geschenken für die Kinder.
Was wird.
Das neue Jahr hat sehr symbolisch mit der Rückkehr zur alten Mehrwertsteuer angefangen, so als Einübung in die Normalität. Es hat weniger geknallt, die Luft war schnell wieder atembar. Und dann all diese tollen Sachen von der neuen Autobahn GmbH des Bundes bis zur Preiserhöhung für den neuen neuen Personalausweis! Seit zwei Tagen haben wir ach so digitalaffinen Bundesbürger eine elektronische Patientenakte und lernen einmal mehr, dass der Teufel im Detail steckt. Einige Krankenkassen verlangen zur Indentifizierung das Video-Identverfahren, das aber nur an Wochentagen zur Verfügung steht. Andere akzeptieren das nicht und setzen ultimativ darauf, dass man in diesen virusträchtigen Zeiten eine Geschäftsstelle aufsucht, sich dort zu erkennen und identifizieren gibt, um dann per Post auf einen Brief mit der Freischaltungsnummer zu warten. Natürlich gibt es auch die Fälle, in denen ein zu Weihnachten gekauftes Smartphone als veraltet gilt, und eine Akten-App, die einfach die Gerätehardware "als nicht sicher genug" bewertet und abbricht. Genau vor diesen Wirrwarr wurde mit der überhasteten Einführung der Patiententenakte gewarnt, doch statt mit einem kleinen Feldtest zu beginnen und dann in ein 10.000er Szenario einzusteigen, wurde am gesetzlichen Einführungsdatum festgehalten. Gesetz ist Gesetz, da lassen wir nichts drauf kommen, erst recht, wenn Super-Jens der Mann ist, der hinter all den Gesundheits-Innovationen steht. Er ist das Wunderwarzenschwein der deutschen Politik, das noch auf die Idee kommen könnte, dass Grundrechte nur für Geimpfte gelten. So wird man Kanzler, in einem Jahr, in dem in fünf, wahrscheinlich gar in sechs Bundesländern gewählt wird.
Keine Wahl hat Julian Assange, der von unserem Auswärtigen Amt irgendwie in einer schwierigen Situation gesehen wird. Klarer sehende Menschen fordern seine sofortige Freilassung, andere glauben allen Ernstes, dass Trump bei seinen Begnadigungen alter Kumpels Assange einbeziehen wird. Die Realität sieht anders aus. Assange ist darauf angewiesen, dass Joe Biden sich zu seinem Amtsantritt bewusst in die Tradition von Barack Obama stellt, der Chelsea Manning begnadigte.
(jk)