Online-Broker Consors droht die Auflösung
Wenn nicht bis März 2002 ein Käufer für den Online-Broker Consors gefunden sein sollte, wird er zerschlagen. Die Kunden könnten auf die an der Auffanggesellschaft beteiligten Großbanken verteilt werden.
Das Jahr 2001 war für die Online-Broker besonders schlimm. Alle schreiben auf Grund der bis auf die Hälfte zurückgegangenen Zahl von Kundentransaktionen rote Zahlen. Die Berliner Systracom rutschte gar in die Insolvenz, und der Nürnberger Broker Consors riss die Muttergesellschaft SchmidtBank mit in einen Strudel, der in einer Auffanggesellschaft endete.
Wenn nicht bis März 2002 ein Käufer gefunden wird, werde der Online-Broker Consors zerschlagen und die Kunden auf die an der Auffanggesellschaft beteiligten Großbanken verteilt, berichtet die Financial Times Deutschland am Freitag. Alle anderen Direct-Broker versuchen durch Kurzarbeit, Stellenabbau und Abstoßen ausländischer Tochtergesellschaften zu retten, was zu retten ist.
Letztendlich zeigt die Misere aber, dass das Geschäftsmodell Online-Brokerage zu sehr auf eine einzige Einnahmequelle beschränkt ist, die zudem großen Nachfrageschwankungen ausgesetzt ist: Wertpapierhandel via Internet. Doch die Blase im Online-Brokerage war zum großen Teil mit der Luft aus der Dotcom-Blase gefüllt. Auch ohne die Börsenbaisse 2001, die die Lage dramatisch verschärfte, hätten die reinen Online-Broker bei einer Normalisierung des Aktienmarktes ein Problem gehabt.
Die Financial Times Deutschland kommt zu dem Schluss: "Das höchst volatile Geschäft Online-Brokerage ist ohne Einbindung in ein breit diversifiziertes Finanzinstitut kaum lebensfähig." So denken einige Muttergesellschaften wie HypoVereinsbank, Commerzbank und Postbank darüber nach ihre Broker-Töchter (Direkt Anlage Bank, Comdirect, Easy Trade) wieder in die Mutterhäuser zu integrieren. Andere Broker wie Advance Bank, DAB und Entrium versuchen mit dem Ausbau einer Filial- und Beratungsstruktur einen Ausweg aus der Sackgasse. Das kostet aber Geld. Mit dem Ende des reinen, Kosten sparenden Online-Brokerage scheint dann aber auch das Ende der Billig-Tarife gekommen. (bb)