Neuer Name gefällig? Oder vielleicht eine Beerdigung?

Das Marketing für Computer-Spiele nimmt teilweise abstruse Formen an: Acclaim sponsort Engländern nicht nur die Beerdigung, sondern hilft auch für ein Jahr mit einem neuen Namen aus.

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Von
  • David Adamczewski

Die Reaktionen auf Acclaims Marketing-Gag für die Spiele-Serie Turok, die Namen von fünf Engländern für ein Jahr in Turok zu ändern, dürften die Firma zufrieden stellen. Nicht nur, dass über die Aktion in allen größeren Tageszeitungen berichtet wird; auch die Resonanz aus der Bevölkerung scheint das Konzept zu bestätigen. So haben sich für das so genannte Identity-Marketing mehr als 6.500 Interessierte auf der Webseite Mynameisturok.com registriert, meldet die BBC. Allein in den ersten zwölf Stunden haben sich 3.000 Freiwillige gemeldet, schreibt Gamers Press.

Es mag allerdings einige andere Gründe für die Freiwilligen jenseits des Wunsches geben, mit einem neuen Namen vielleicht auch eine neue Identität zu bekommen. So lockt zum einen die Chance, eine von fünf Xbox-Spielekonsolen, 500 Pfund (rund 780 Euro) und bisher alle veröffentlichten Turok-Teile zu ergattern. "Andere wiederum wollen entweder den Ruhm, weil sie das Spiel lieben, oder nur ein Teil dieser neuen Idee sein", meint ein Sprecher des Marketing Science Institute. Für Deutschland sind solche Aktionen aber nach Aussagen von Peter Weiß, PR-Manager bei Activision Deutschland, bisher nicht geplant. "Außerdem wäre es für Turok ein wenig spät. Darüber hinaus haben die Deutschen einen anderen Humor", erläutert Weiß gegenüber heise online.

Eine weitere ungewöhnliche Marketingmaßnahme für das Xbox-Spiel Turok:Evolution kann jeder Besucher Londons vor einem Shop der Franchise-Kette Electronics Boutique sehen. Denn dort zeltet ein scheinbar äußerst fanatischer Fan in der Fußgängerzone und harrt bis zur Veröffentlichung des Spiels am 6. September 2002 aus. Die Spieleentwickler- und Publisher entwickeln immer neuere Marketingkampagnen, um die Aufmerksamkeit von Computer- und Videospielern zu gewinnen. So hat die US-Armee als PR-Gag für den Ego-Shooter America's Army, mit dem Rekruten geworben werden sollen, kurzerhand einen Panzer und mehrere Soldaten vor der Spielemesse E3 in Los Angeles postiert. Dem schwarzen Humor der Engländer angemessen warb Activision kürzlich damit, die Bestattungskosten Interessierter teilweise zu tragen. Als Gegenleistung verlangte der Publisher das Recht, auf dem Grabstein Werbung für Shadowman 2 schalten zu dürfen. (daa)