Chat am Freitag: Was bringen die Hartz-Vorschläge den IT-Beschäftigten?
Welchen Einfluss haben "Leihmitarbeiter" auf künftige Gehaltsstrukturen und welche Impulse verspricht sich die IuK-Branche von der "Ich-AG"? Diesen Fragen wollen wir am Freitag im Chat auf heise online nachgehen.
Die Zahl der Beschäftigten in der IT-Branche ist in den vergangenen 19 Monaten erstmals seit Anfang der neunziger Jahre gesunken. Nach einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes gingen in dieser Zeit rund 28.000 Jobs verloren -- und jeden Tag werden es mehr. Nach Schätzungen des IT-Dachverbands Bitkom fallen in diesem Jahr weitere 8000 Stellen bei Softwarehäusern und IT-Serviceanbietern dem Rotstift zum Opfer. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Rund 2300 Stellen sollen in nächster Zeit allein bei der Siemens Netztechnik (ICN) in München wegfallen. Auch bei der Deutschen Telekom rechnen Experten nach Rekordverlusten im ersten Halbjahr dieses Jahres mit Stellenstreichungen. Allmählich verabschieden sich immer mehr Beschäftigte der einstigen Boom-Branche von der Illusion, dass ihre Jobs krisenfest sind.
Auf der anderen Seite geht die Industrie weiterhin von einem grundsätzlichen, möglicherweise sogar wachsenden Bedarf an IT-Arbeitskräften aus. Ihrer Meinung nach hapert es lediglich an effizienten Arbeitsmarktinstrumenten. Erwin Staudt, Vorsitzender der Geschäftsführung von IBM Deutschland, fordert deshalb eine entbürokratisierte Vermittlung in- und ausländischer IT-Fachkräfte. Neue Impulse verspricht er sich vor allem von einer konsequenten Umsetzung der Vorschläge der Hartz-Kommission. So sollen "befristete Arbeitsverträge" und das "Austesten von Leih-Mitarbeitern" künftig für mehr Neueinstellungen sorgen und staatliche Unterstützungen auf dem Weg in die Selbständigkeit (Ich- und Familien-AGs) die Arbeitslosenzahlen spürbar senken.
Dem widerspricht der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel. Aus seiner Sicht führen die Hartz-Vorschläge zu einem grundlegenden Systemwechsel. So würden etwa mit staatlicher Hilfe die Billiglohnjobs ausgeweitet. Auch an anderer Stelle trifft das Hartz-Papier auf breite Skepsis. Die Zeitarbeit sei bereits heute gängige Praxis, argwöhnen die User eines Forums von heise online. Neue oder sicherere Arbeitsplätze ließen sich damit nicht schaffen. Das glaubt auch Peter Beer nicht. Der Generalbevollmächtigte der IG Metall vermisst im Hartz-Konzept Vorschläge, wie die vorhandene Arbeit auf mehr Mitarbeiter verteilt werden kann. Zu den geplanten Zeitarbeitsagenturen (PSA) sagt er: "Das destabilisiert unser ganzes Lohn- und Gehaltgefüge." Auch Hinkel prophezeit der PSA nur mäßigen Erfolg: Das Modell, abgefasst im "postmodernen Manager-Slang" erinnere an eine Drehtür. "Unternehmen schicken Beschäftigte in die Arbeitslosigkeit. Diese kommen dann über die PSA als Zeitarbeiter zurück."
Was bringen die Hartz-Vorschläge der IT-Branche? Neue Jobs im Billiglohnbereich? Ein neues Gehaltsgefüge zu Ungunsten der Beschäftigten? Oder dringend benötigte Impulse, wie Erwin Staudt glaubt. Mit diesen und anderen Fragen zur Situation auf dem IT-Arbeitsmarkt beschäftigt sich der Freitags-Chat auf heise online. Am kommenden Freitag erwarten wir als Gäste Dr. Stephan Pfisterer, Bitkom-Referent für Bildung und Personal und Bernd Christoffer, Betriebsingenieur im Produktionsbereich Festplatten bei IBM in Mainz. Nach dem Verkauf der Festplattensparte an Hitachi sollen in der rheinland-pfälzischen Fabrik spätestens Ende kommenden Jahres die Lichter ausgehen. Das Podium wird komplettiert von Thomas Krischer, Koordinator der Erhebung Entgelte in der IT-Branche; Dieter Scheitor, TeamleiterIT-Industrie beim Vorstand der IG Metall; c't-Redakteurin Angela Meyer und der auf IT-Fachkräfte spezialisierten Kölner Headhunter Arnold G. Neumann.
Der Chat findet am Freitag zwischen 15 und 16 Uhr statt. Der Chat-Raum ist wie gewohnt bereits eine Stunde vor dem offiziellen Start geöffnet. Zu dieser Zeit blenden wir Links auf der [ Homepage von heise online] und den Chat-Seiten ein, die direkt zur Veranstaltung führen. (em)