Computerhersteller Lintec rutscht tief in die roten Zahlen

Erstmals in der 12-jährigen Unternehmensgeschichte muss der sächsische Computer-Hersteller Verluste verbuchen.

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  • JĂĽrgen Kuri

Es kam, wie es nach den letzten Quartalszahlen kommen musste: Der sächsische Computerhersteller Lintec ist im Geschäftsjahr 2001 tief in die roten Zahlen gerutscht. Nach Verlusten in den ersten neun Monaten gab sich das Unternehmen noch selbstbewusst: Immerhin habe die Branche im dritten Quartal 2001 durch das "schlechteste in der Geschichte des PC-Marktes überhaupt" gehen müssen. Diese Entwicklung sei auch nicht an Lintec spurlos vorbei gegangen, aber das Unternehmen stünde besser da als der Gesamtmarkt. Nun meldete die Lintec Information Technologies AG einen Fehlbetrag von 26,5 Millionen Euro für das Gesamtjahr 2001. Im Vorjahr war noch ein Konzernjahresüberschuss von 9,5 Millionen Euro erwirtschaftet worden. Der Umsatz ging von 423,6 auf 365,1 Millionen Euro zurück.

Die Aktie des Konzerns wurde am heutigen Mittwoch zeitweise vom Handel ausgesetzt. Seinen Tiefstand erreichte der Kurs knapp unter 4 Euro. Er lag damit mehr als 4,7 Prozent unter dem Vortagesstand, erholte sich dann aber wieder leicht und lag am späten Nachmittag bei 4,20 Euro. Ausgabekurs waren 35,79 Euro im Jahr 1998.

Als Gründe für den erstmals in der 12-jährigen Firmengeschichte verzeichneten Verlust nannte der Vorstandsvorsitzende Hans Dieter Lindemeyer neben einem schwachen konjunkturellen Umfeld mit Margenverlusten bei Standardprodukten unter anderem hohe Anlaufinvestitionen in neue Produkte und deren verzögerte Markteinführung. Im August vergangenen Jahres stellte Lintec beispielsweise eine spezielle PC-Baureihe für Senioren vor. Umfangreiche Wertberichtigungen, beispielsweise auf Finanzbeteiligungen in Höhe von 14,4 Millionen Euro, seien hinzu gekommen. Größter operativer Verlustbringer war nach Angaben Lindemeyers die Lintec-Tochter Batavia Multimedia AG. Der Vorstand sei komplett abberufen und für das Multimediaunternehmen sowie für weitere Konzerngesellschaften ein Restrukturierungsprogramm eingeleitet worden.

Der Konzern rechnet im Jahr 2002 mit einem weiteren Umsatzrückgang auf 306 Millionen Euro und mit einem leichten Überschuss von 0,4 Millionen Euro. Für 2003 wird ein Umsatz von 353 Millionen Euro und ein Überschuss von 3,9 Millionen Euro erwartet. Der Konzern arbeite derzeit an mehreren neuen Computern, mit dem Märkte zurückerobert werden sollen, sagte Lindemeyer. Die Mitarbeiterzahl ging im vergangenen Jahr von etwa 600 auf 533 zurück. Einen weiteren Personalabbau machte Lindemeyer vor allen Dingen von der künftigen Entwicklung der Tocher Batavia AG abhängig. Die Lintec ist seit September 1998 am Neuen Markt notiert. Im Streubesitz sind 52,2 Prozent der Aktien. Der Unternehmensgründer und Vorstandschef Hans Dieter Lindemeyer hält 45,2 Prozent. 0,4 Prozent des Grundkapitals sind im Besitz der AG. Die restlichen 2,2 Prozent hält ein einzelner Privateigentümer. (jk)