Infineon: Ermittlungen gegen Investoren
Wertpapieraufsicht untersucht verdächtige Kurseinbrüche vor dem Bekanntwerden einer offiziellen Verlustwarnung Mitte letzten Jahres auf verbotene Ausnutzung von Insiderwissen.
Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) nimmt nach einem Vorab-Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel Anleger des Münchner Chipherstellers Infineon wegen möglicher Insidergeschäfte unter die Lupe. Auf Grund des drastischen Kursverfalles Mitte Juni 2001 bereits vor der Ankündigung großer Verluste habe das Bundesamt ein offizielles Prüfverfahren eingeleitet. Außerdem werde untersucht, ob die damalige Gewinnwarnung möglicherweise zu spät veröffentlicht wurde.
Infineon-Chef Ulrich Schumacher hatte am 20. Juni vorigen Jahres drastische Verluste von 600 Millionen Euro für das dritte Quartal angekündigt. Damals war der Infineon-Kurs an einem Tag um mehr als 14 Prozent auf 29,95 Euro eingebrochen. Er lag damit erstmals deutlich unter dem Ausgabekurs von 35 Euro beim Börsengang im Frühjahr 2000. Allerdings war der Aktienkurs des Halbleiterherstellers schon zuvor deutlich abgesackt -- an den Tagen vor der Gewinnwarnung um insgesamt rund 15 Prozent.
Diese Entwicklung legt den Verdacht auf illegale Aktiengeschäfte auf Grund eines möglichen Informationsvorsprungs nahe. Anhand von Kontoauszügen und Bankunterlagen soll dem Bericht zu Folge geklärt werden, "ob und in welchem Umfang Infineon-Investoren vor der Bekanntgabe der Ad-hoc-Mitteilung verbotene Insidergeschäfte getätigt haben". Zudem werde geprüft, ob Infineon mit einer verspäteten Bekanntgabe der Prognose gegen Publizitätspflichten verstoßen habe.
Infineon selbst hält diesen Vorwürf dem Bericht zufolge nicht für gerechtfertigt. "Unser Ergebnis lag damals im Rahmen der Analystenschätzungen", wird eine Sprecherin zitiert. "Deshalb gab es keinen Grund für eine Ad-hoc-Meldung." Hinweise aus Insider-Verstöße aus den eigenen Reihen lägen zudem bislang nicht vor.
Allerdings hatte auch Infineon seinerzeit bereits auf den auffälligen Kursrückgang vor Veröffentlichung der Quartalsprognose reagiert. Allein am Tag zuvor waren es 3,7 Prozent. "Der Verlust ist uns aufgefallen und wir prüfen das", hatte damals ein Sprecher gesagt. Der Kurssturz von Infineon hatte Mitte Juni auch den Börsenwert der Mutter Siemens sowie anderer europäischer Technologietitel und US-Chiphersteller in Mitleidenschaft gezogen. (jes)