MobilCom auf hartem Sanierungskurs
Der Telecom-Konzern konnte den Umsatzrückgang der letzten Quartale stoppen, rutschte aber tiefer in die roten Zahlen. UMTS steht jetzt auf dem Prüfstand.
Der angeschlagene Telecom-Konzern MobilCom konnte den Umsatzrückgang der letzten Quartale stoppen -- im zweiten Quartal 2002 erwirtschaftete das Büdelsdorfer Unternehmen 520 Millionen Euro (nach 514 Millionen im ersten Quartal). Der Verlust vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen reduzierte sich gegenüber dem Vorquartal von 120,7 Millionen auf jetzt 49,7 Millionen Euro. Aufgrund außerplanmäßiger Abschreibungen -- in den vergangenen Wochen trennte sich das Unternehmen von einer Reihe unprofitabler Bereiche wie dem Ortsnetzgeschäft und dem Comtech-Filialnetz -- geriet MobilCom beim Konzernverlust aber tiefer in die roten Zahlen: Aus den 116,4 Millionen Euro Miese im letzten Quartal wurden 172,8 Millionen. Im dritten Quartal werden Posten aus dem Restrukturierungsbereich noch einmal erheblich zu Buche schlagen.
"MobilCom steht vor zwei großen Aufgaben. Wir müssen das Service-Provider-Geschäft sanieren und die Pläne für das UMTS-Geschäft den veränderten Marktbedingungen anpassen", meinte CEO Thorsten Grenz. Im GSM-Mobilfunkbereich zählte das Unternehmen zum Ende des zweiten Quartals 4,9 Millionen Kunden, davon sind nach Firmenangaben 68,2 Prozent Vertragskunden -- bei einem Marktdurchschnitt von 46 Prozent. Im Segment Mobilfunk erzielt der Konzern im zweiten Quartal einen Umsatz von 368,4 Millionen Euro nach 350,3 Millionen im ersten Quartal. Der durchschnittliche Umsatz pro Kunde (Average Revenue Per User, ARPU) stabilisierte sich.
Zufrieden ist Grenz mit diesem Ergebnis allerdings nicht. Und da er keine Marktbelebung in naher Zukunft erwartet, heißt die Devise "Kosten weiter senken". So gehe es darum, fortan attraktive Kunden zu vertretbaren Kosten zu gewinnen und zu halten. Auf dem Prüfstand stehe auch UMTS. "Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass die für einen kommerziellen Start erforderlichen Vorraussetzungen schwer zu erfüllen sind: Zum einen fehlt es noch an überzeugenden, leistungsfähigen und kostengünstigen Endgeräten; zum anderen entwickelt sich die Nachfrage nach mobilen Datendiensten derzeit noch weitaus schwächer als erwartet", heißt es bei MobilCom. Zurzeit überprüft das Unternehmen die UMTS-Geschäftspläne und will die Ergebnisse im dritten Quartal in konkrete Maßnahmen -- aller Voraussicht nach gehört die Neubewertung der UMTS-Lizenz dazu.
Unterdessen bereitet sich das Unternehmen auf eine turbulente außerordentliche Hauptversammlung vor -- auf der die Unternehmerin Sybille Schmid-Sindram den Aufsichtsrat neu besetzen und damit gemeinsam mit ihren Mann, dem Unternehmensgründer Gerhard Schmid, die Macht im Unternehmen wieder zurückerobern will. Gestern kündigte MobilCom zudem an, Klage gegen die Millenium GmbH von Schmid-Sindram zu erheben. (tol)