Global Crossings Chef angeblich bei Bilanztricksereien eingeweiht
Einem Ausschuss des US-amerikanischen Kongress sollen Dokumente vorliegen, nach denen Gary Winnick mehr gewusst haben soll, als er heute zugibt.
Mit einer pauschalen Selbstbezichtigung wollte sich Global Crossing bei der US-amerikanischen Börsenaufsicht SEC aus der Affäre ziehen. Der Versuch scheiterte diese Woche, weil die SEC konkrete Namen genannt haben will. Eine Person haben sie dabei insbesondere im Visier, nämlich den Gründer und Chef des Unternehmens, Gary Winnick. Einzelheiten zu seinen illegalen Bilanztricks und Selbstbereicherungsaktionen sollen dem Kongressausschuss für Wirtschaft und Energie vorliegen, schreibt das Wall Street Journal.
Entgegen allen Beteuerungen von Winnick soll er über Tauschgeschäfte mit dem Unternehmen 360Networks informiert gewesen sein. Mit diesem hatte Global Crossing im März 2001 Leitungskapazitäten getauscht und dieses Geschäft als Umsatz verbucht: Ungültige Bilanztricks, wie die SEC meint. Der Parlamentsausschuss soll dies sogar schwarz auf weiß haben, denn im Frühjahr gab es bei Global Crossing in diesem Zusammenhang Zweifel an der Zahlungsfähigkeit von 360Networks, die in einem Dokument festgehalten wurden, das dem Ausschuss vorliegen soll. Davon könnte auch Winnick Kenntnis genommen haben. Aus anderen Papieren soll hervorgehen, dass Winnick und zwei weitere Vorstandsmitglieder in die Geschäfte eingeweiht waren.
Gary Winnick soll Insiderwissen um die Tauschgeschäfte genutzt haben, um von rechtzeitig getätigten Aktienverkäufen zu profitieren. So hatte er im Mai 2001 Aktien im Wert von 135 Millionen US-Dollar verkauft. Ralph Ferrara, Anwalt bei Global Crossing, bestreitet weiterhin etwelche illegalen Aktivitäten seines Chefs. "Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Gary Winnick irgendeine Rolle in den Geschäften mit 360Networks gespielt hat."
Global Crossing musste im Januar 2002 -- wie zuvor schon 360Networks -- zum Konkursgericht. Vor drei Wochen wurde das Unternehmen an Hutchison Whampoa und Singapore Technologies Telemedia verkauft. (anw)