Europäischer IP-Adressservice so gut wie Stromversorgung?

Das RIPE NCC (Réseaux IP Européens Network Coordination Centre), unter anderem Manager der IP-Adressvergabe für Europa, Nordafrika, den Nahen Osten und einige asiatische Länder, startete eine groß angelegte Umfrage.

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Von
  • Monika Ermert

Das RIPE NCC (Réseaux IP Européens Network Coordination Centre), unter anderem Manager der IP-Adressvergabe für Europa, Nordafrika, den Nahen Osten und einige asiatische Länder, startete eine groß angelegte Umfrage. RIPE-Mitglieder und Nichtmitglieder werden darin unter anderem zu ihrer Zufriedenheit und ihren Wünschen nach möglichen zusätzlichen Services gefragt: "Verglichen mit anderen Basis-Dienstleistungen, die sie in Anspruch nehmen, wie Gas, Elektrizität, Telefon oder Autoanmeldung, wie würden Sie den Service-Standard von RIPE NCC bewerten?" Gefragt wird daneben auch nach dem von Mitgliedern ebenso wie Nichtmitgliedern favorisierten Mitbestimmungsmodell bei der Selbstverwaltungsorganisation.

Rund 3.150 Internet Service Provider nutzen die RIPE-Services, vor allem die IP-Nummervergabe für IPv4 und die neuen IPv6-Adressen, die Zuteilung von Border-Gateway-Protokoll-Nummern (Nummern für Autonomous Systems) und die Whois- und Hostcount-Services. Von diesen Mitgliedern will die RIPE-NCC-Verwaltung in Amsterdam jetzt wissen, wie sie die Entscheidungsprozesse innerhalb der Organisation einschätzen und welche Rolle sie als Mitglieder spielen wollen. Ausserdem können sich die Befragten dazu äußern, ob sich das RIPE bei neuen Technologieentwicklungen verstärkt engagieren soll und welche neuen Services gewünscht werden.

Bemerkenswert ist, dass Nichtmitglieder in einem eigenen Fragebogen um eine Einschätzung der RIPE-Arbeit gebeten werden. Auch wenn die Mitglieder die Hauptzielgruppe seien, wolle man auch Meinungen aus verschiedenen anderen Internet-Selbstverwaltungsorganisation -- etwa ICANN, Internet Society, IETF oder IPv6-Forum -- und auch von Internetnutzern einholen. Sie alle sind aufgefordert, ihre Meinung zur Frage kund zu tun, ob die aktuellen Kommunikationsstrukturen ihnen und den Mitgliedern ausreichende Einflussmöglichkeiten bieten. Schließlich will RIPE von den Nichtmitgliedern wissen, ob es sich in seiner Arbeit auf sein eigentliches Operationsgebiet beschränken oder sich global engagieren soll. Außerdem interessiert die Organisation die Ansicht der User darüber, wie man mit Regierungen oder anderen Regulierungsinstitutionen zusammenarbeiten soll.

Die an die gesamte Netzgemeinde gerichtete Umfrage könnte auch als Reaktion auf die etwa vom US-ICANN-Direktor Karl Auerbach geäußerte Kritik an den Entscheidungsprozessen innerhalb der Regional Internet Registries verstanden werden. Auerbach hatte die mangelnde Beteiligung der Öffentlichkeit -- ewiger Zankapfel auch bei der Dachorganisation ICANN -- gerügt.

Die Abwicklung und Auswertung der Umfrage hat RIPE NCC beim Beratungsunternehmen KPMG in Auftrag gegeben, das im September und Oktober auch Vertreter zu Vor-Ort-Gesprächen in verschiedene Städte im RIPE-Mitgliedsgebiet schickt. Am 18. September etwa kommt KPMG-Vertreter John Earls an den DeNIC-Standort Frankfurt. Antworten auf die Mitglieder- und Nichtmitglieder-Fragebögen können bis 31.Oktober an KPMG gesandt werden. (Monika Ermert) / (jk)