Projekt "Sirene": Grüne Welle und intelligente Routen für Rettungskräfte
Car2X-Kommunikation in Anwendung: Mit "Sirene" haben Forscher, Anwender und Wirtschaftspartner eine smarte Ampelsteuerung für Einsatzkräfte erprobt.
Testfahrt mit "Sirene" in Braunschweig.
(Bild: DLR)
Blaulichtkräfte wie Feuerwehr und Polizei sollen künftig schneller und sicherer ans Ziel kommen. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat dazu gemeinsam mit Anwendern sowie Partnern aus Industrie und Forschung im Projekt "Sirene" eine intelligente Ampelsteuerung entwickelt und erprobt.
Im Rahmen der Initiative ging es unter anderem darum, Lösungen für Vorrechte von Einsatzfahrzeugen entlang grüner Wellen zu entwickeln. Zudem arbeiteten die Beteiligten an einem smarten Navigationssystem, das auch kurzfristige Verkehrsänderungen in die Routenplanung mit einbezieht. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur förderte Sirene im Rahmen der Innovationsinitiative mFund mit 2,57 Millionen Euro. Der staatliche Anteil lag so bei 78 Prozent.
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Rot wo nötig
Das Projekt lief von 2017 bis 2020. Erste Ergebnisse hat das DLR jetzt vorgestellt. "Man sitzt im Auto, sieht Blaulicht, hört das Martinshorn und fragt sich, wo soll ich am besten hin?", beschrieb Projektleiter Sten Ruppe vom DLR-Institut für Verkehrssystemtechnik die Ausgangslage. "Anstatt den ganzen Verkehr anzuhalten, können wir mit Hilfe der Sirene-Technologie punktgenau und richtungsbezogen priorisieren".
"Wir schalten nur die Ampeln rot, die wir benötigen", erläutert Ruppe den Ansatz. "So können wir auch einzelne Richtungsfahrspuren sperren, die von den Rettungskräften dann zum Überholen genutzt werden." Dies bedeute im Umkehrschluss: "Der Verkehr auf anderen Spuren, der die Route der Einsatzkräfte nicht beeinflusst, kann ungestört weiterfahren. So können wir einiges an Stau verhindern." Laut beteiligten Einsatzhelfern hat sich das Verfahren besonders an hochfrequentierten Kreuzungen bewährt und die dort lauernden Gefahren "massiv entschärft".
Praxistest in Braunschweig
In der Praxis hat das Team die grüne Welle für Retter an 16 Kreuzungen in Braunschweig getestet. Dazu wurden drei Feuerwehrfahrzeuge und ein Rettungswagen mit dem Sirene-System ausgestattet. Wichtigste Komponente dabei war neben dem LTE-Mobilfunk die Car2X-Kommunikation, bei der Fahrzeuge Informationen untereinander oder mit der Verkehrsinfrastruktur etwa in Form von Ampeln austauschen. Entstehen sollen damit "Cooperative Intelligent Transport Systems" (C-ITS), wie sie auch die EU-Kommission seit Langem voranbringen will.
Die Einsatzfahrzeuge konnten so Einfluss auf den Verkehr nehmen, bevor sie die Kreuzung erreichten. Das Sirene-System ist im Rahmen des Probebetriebs zudem mit dem Verkehrsleitrechner der Stadt Braunschweig, dem Einsatzleitsystem der Feuerwehr und den Ampeln verbunden worden. "Geht eine Alarmmeldung ein, werden die Routen für die Einsatzfahrzeuge berechnet", erklärt das DRL das Prinzip. Bereits beim Einsteigen in den Einsatzwagen werde die Fahrstrecke erstellt und auf einem Bildschirm angezeigt.
Zentral oder Car2X
Im Lauf des Tests erprobten die Partner verschiedene Verfahren, um die Ampeln zu steuern. Einmal meldet das System die Einsatzfahrzeuge über den zentralen Verkehrsleitrechner der Stadt an und ab. Beim Verlassen der Feuerwehrwache schaltet Sirene die jeweiligen Ampeln unmittelbar über den Verkehrsleitrechner für andere Teilnehmer auf Rot und priorisiert die Durchfahrt für den Einsatzwagen. Diese Lösung bauten maßgeblich die auf Verkehrsinformatik spezialisierten Firmen PTV (Planung Transport Verkehr) und Gevas Software. Mit an Bord war zudem das Unternehmen Afusoft Kommunikationstechnik.
Die zweite Option: Nähert sich ein Einsatzwagen einer Kreuzung entlang der Route, die weiter von der Feuerwehrwache entfernt liegt, wird die Ampel dezentral gesteuert. Ein oder mehrere Fahrzeuge melden sich dabei über eine vom DLR programmierte Car2X-Lösung bei der Kreuzung an. Sirene entscheidet dann situationsabhängig über die jeweiligen Vorrechte. Haben alle Einsatzfahrzeuge eine Kreuzung überquert, löst das System automatisch die priorisierte Ampelschaltung auf.
Entscheidend ist Ruppe zufolge dabei die kontinuierliche und exakte Positionsmeldung jedes Einsatzfahrzeugs und eine hohe Geschwindigkeit bei der Verarbeitung und Weiterleitung von Daten. Insgesamt ließen sich so unnötige Wartezeiten für die übrigen Verkehrsteilnehmenden vermeiden. Ob das Verfahren in größerem Maßstab und auf Dauer eingesetzt werden soll, ist noch nicht entschieden.
(vbr)