Der einstige Jobmotor stottert
Die Zahl der Firmen in der gesamten Halle des Jobmarkts ist von rund 150 auf 86 gesunken.
In diesem Jahr färbt die Krise auf dem Arbeitsmarkt kräftig auf die weltgrößte Computermesse in Hannover ab. "Die Zahl der Firmen in der gesamten Halle des Jobmarkts ist von rund 150 auf 86 gesunken", sagte ein Sprecher der Deutschen Messe AG am Donnerstag. Wo sich bisher zehn Aussteller zu einer Gruppe drängten, teilen sich dieses Mal nur sechs die Fläche. Nicht einmal ein Drittel der Top-Aussteller hat in diesem Jahr überhaupt eine Stellenbörse.
Mit der Talfahrt der einst gefeierten "New Economy" ist auch der Arbeitsmarkt für Computerexperten in die Krise geraten. "Konjunkturflaute und der Absturz der Internet-Börsenwerte sind für die Jobflaute verantwortlich", sagt der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Jürgen Peters. Experten rechnen frühestens in der zweiten Hälfte 2002 mit einer Belebung. Bis 2003 regiert wohl aber vermutlich noch der Rotstift in den Personalabteilungen: Viag Interkom, Intershop und Infineon sind mit Stellenabbau und Entlassungen noch nicht am Ende.
Trotz der nur spärlich gefüllten Halle 10, drängen sich arbeitslose IT-Experten, Hochschulabsolventen oder Umschüler um die Stände verschiedener Job-Portale oder Firmen. Bei der Lufthansa, der Postbank, Vodafone, der Telekom und der Bahn können sich Interessierte für einen der angepriesenen Jobs registrieren lassen -- und müssen dann hoffen. "Softwareentwickler und Systemprogrammierer haben die meisten Chancen, einen Arbeitsplatz zu finden", sagt Luuk Focke von Monster.de. Dort und bei anderen Job-Portalen im Internet wird den Messebesuchern gezeigt wie sie sich online bewerben, Stellengesuche aufgeben oder schnell an Offerten kommen.
Auf der anderen Seite wird auf der CeBIT kräftig für Nachwuchskräfte geworben. Jugendliche sollen Lust auf IT-Berufe bekommen. Eine der Initiativen stammt vom Land Niedersachsen. Mit dem Ausbildungsprojekt "idee_it -- IT-Berufe für Dich" soll der Frauenanteil in der Branche erhöht werden.
Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und der Verband der Elektrotechnik (VDE) fürchten, dass es noch länger an Fachkräften mangeln wird. "Es gibt einfach zu wenige Studienanfänger und Absolventen in der Elektro- und Informationstechnik", beklagt Walter Börmann vom VDE. 13.000 Absolventen könnten in Ingenieurberufen unterkommen. Nur 6500 schlossen aber ihr Studium ab. Gestandenen Informatikern fehle jedoch das Spezialwissen, um einzuspringen.
Daher kommt die deutsche Wirtschaft nach Ansicht des VDI kurzfristig nicht ohne Zuwanderung hoch qualifizierter Experten aus. "Die Bedarfsdeckung kann entweder über ein neues Zuwanderungsgesetz geregelt werden oder über eine Greencard-Regelung, die Fachkräfte im Informatik- und Ingenieurbereich berücksichtigt", schlägt der VDI-Präsident Hubertus Christ vor. Langfristig müssten zudem weitere Weichen in punkto Aus- und Weiterbildung und Qualifizierung in Deutschland gestellt werden. Schließlich wachse der Bedarf an Informatikern und Ingenieuren jährlich um fünf Prozent. Demnach könnte die Jobmaschine CeBIT schon im kommenden Jahr wieder anspringen. (Daniela Schmitz, dpa) / (anw)