Kabelnetzbetreiber ish bekommt keine Finanzspritze vom Land
Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen will das Unternehmen "nicht aus seinen Verpflichtungen gegenĂĽber den eigenen Mitarbeitern entlassen".
Der angeschlagene nordrhein-westfälische Kabelnetzbetreiber ish (Köln) kann nicht mit einer Finanzspritze der Landesregierung rechnen. "Wir werden das Unternehmen nicht aus seinen Verpflichtungen gegenüber den eigenen Mitarbeitern entlassen", stellte die Sprecherin des Arbeitsministeriums, Heike Döll-König, am Dienstag auf Anfrage von dpa klar.
Regierungssprecherin Miriam Meckel dementierte Zeitungsberichte, wonach Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) ish-Geschäftsführer David Colley zugesagt haben soll, bei Wohnungsbaugesellschaften für die Installation von Breitbandkabeltechnik zu werben. "Ein Gespräch über die Situation des Unternehmens hat es am vergangenen Donnerstag gegeben, aber solche Zusagen gibt es nicht", sagte die Staatssekretärin.
Bei einem Gespräch mit dem Management am Freitag wolle Arbeitsminister Harald Schartau (SPD) auf Lösungen dringen, möglichst viele der 570 von betriebsbedingten Kündigungen bedrohten ish-Mitarbeiter doch noch weiter zu beschäftigen, sagte Döll-König. "Wir erwarten am Freitag ein Szenario von ish, welche Möglichkeiten es gibt, Leute zu halten -- beispielsweise durch Kurzarbeit oder durch Beschäftigung im baden-württembergischen Unternehmenszweig, wo offenbar noch Bewerber gesucht werden."
Wegen des schwachen Kundenwachstums bei anhaltenden technischen Problemen und zu geringer Investitionsmasse soll jeder fünfte Beschäftigte der ish Gmbh & Co.KG seinen Arbeitsplatz verlieren. Neben den 570 Festangestellten seien etwa 150 freie Mitarbeiter mit Zeitverträgen betroffen, sagte eine Sprecherin des Unternehmens.
Bei dem Treffen im Arbeitsministerium, an dem auch ein Vertreter des Landesarbeitsamts teilnehmen soll, werde es unter anderem um Überlegungen gehen, den Entlassenen mittels einer Transfer-Gesellschaft zu einer schnellen Anschlussbeschäftigung zu verhelfen, erläuterte Döll-König. "Wir bieten Beratungsleistungen an und helfen bei der Organisation des Transfers; bei der Finanzierung der Personalanpassungsmaßnahmen ist aber das Unternehmen gefragt."
Transfer-Agenturen helfen vor allem bei der Weiterqualifizierung und vermitteln Bewerbungstraining. Darüber hinaus werde geprüft, inwieweit die Betroffenen durch eine "konzertierte Vermittlung der Arbeitsämter" schnell wieder in Beschäftigung gebracht werden können, so Döll-König.
ish war im vergangenen Jahr in Düsseldorf und Köln mit Telefondiensten, Internet- und TV-Angeboten über ein aufgerüstetes Breitband-Kabelnetz gestartet. Seitdem hatte das Unternehmen immer wieder mit Sende-Störungen für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Höhepunkt der Pannenliste war in der vergangenen Woche ein totaler Zusammenbruch in der ish-Technik-Zentrale, der 600.000 Haushalte buchstäblich in die Röhre blicken ließ. Derzeit prüft die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, ob sie wegen der von ish beschlossenen Gebührenerhebung tätig werden muss. (dpa) / (anw)