TR Online 2021: Von Walkman-Designern, Thrombose-Rätseln und Corona-Boostern

Der Online-Jahresrückblick von MIT Technology Review – heute von Mai bis August 2021. Welche Artikel haben die Leser am häufigsten geklickt?

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(Bild: Ray Hennessy / Unsplash)

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Websites haben bekanntlich den Vorteil, dass ihre Redakteure überprüfen können, welche Beiträge bei den Nutzern besonders populär sind – tagesaktuell, monatlich oder gar minütlich. Technology Review hat wie jedes Jahr zwischen Weihnachten und Silvester in das TR-Online-Archiv geschaut und die zwölf populärsten Beiträge des Jahres 2021 von Januar bis Dezember für Sie ausfindig gemacht.

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In der Rangliste der Popularität hat Corona die Themen-Mischung erneut deutlich geprägt – doch das ist bei weitem nicht das einzige wichtige Thema dieses abermals außergewöhnlichen Jahres.

Wir wĂĽnschen allen Leserinnen und Lesern viel SpaĂź bei der LektĂĽre unseres RĂĽckblickes auf TR Online 2021. Dieser hat drei Teile: Am Montag haben wir uns die Monate Januar bis April angeschaut, am heutigen Dienstag zeigen wir die meist gelesenen Mai- bis August-Texte und am Mittwoch folgen die Texte von September bis Dezember.

Ross Lovegrove hat in seinem langen Designerleben schon viel gesehen. So war er nicht nur am berühmten Sony Walkman beteiligt, sondern arbeitete auch beim deutschen Topdesignstudio Frog Design. Im TR-Gespräch sprach er über seine Philosophie und die Lehren, die man aus früheren Jahrzehnten der Gestaltungsgeschichte ziehen kann. Und das ist eine ganze Menge.

"Elektronikprodukte vergreisen aufgrund ihres schnellen Zyklus der natürlichen Überalterungen, denn es handelt sich um Geräte, die in einem globalen Wettkampf der Verbesserungen und Innovationen mit ihren Konkurrenten stehen. Wir müssen akzeptieren, dass Dinge sich verändern und überholt sind", sagt er. Und etwas traurig ist er auch: "Ich habe den Eindruck, dass alles so ersetzbar und entbehrlich geworden ist und dass Design, das früher für unglaublich gehalten worden wäre, heute nicht mal mehr angeschaut wird." Das Interview mit Designlegende Ross Lovegrove war im Mai 2021 der meistgelesene Artikel bei TR Online.

Nach der schnellen Bereitstellung erster Impfstoffe gegen das Coronavirus gab es Befürchtungen, dass es zu medizinischen Komplikationen kommen könnte. Eine mögliche Gefahr, die sich herausstellte, ist ein höheres Risiko für die Entwicklung von Thrombosen. Professor Dr. Rolf Marschalek vom Institut für pharmazeutische Biologie der Goethe-Universität in Frankfurt am Main fand zumindest für diese Nebenwirkung eine mögliche Erklärung, die er im TR-Gespräch erläuterte.

Demnach hatten die Entwickler offenbar unkontrollierte Spleiß-Vorgänge im Zellkern nicht bedacht, was frei lösliche Spike-Proteine entstehen ließ, die sich nicht an den Zellwänden verankern. Die Daten wurden mit den Entwicklern von AstraZeneca geteilt. Der TR-Beitrag über die unerwünschten Impfreaktionen hatte im Juni 2021 die meisten Leser – obwohl er ein sehr komplexes Thema hat.

Dieses Thema ist heute, im Winter 2021, in aller Munde. Doch im Sommer 2021, der Corona-Erholungsphase, waren nur wenige Menschen interessiert an einer Impfauffrischung gegen SARS-CoV-2, hatten die meisten doch gerade erst die erste (und ggf. die zweite) Impfung erhalten. Nichtsdestotrotz debattierte man bereits über eine Booster-Impfung. mRNA-Champion Biontech selbst und sein Pharma-Partner Pfizer plädierten dafür, wie unser Artikel erläuterte.

Zum damaligen Zeitpunkt hatten bereits mindestens vier Länder Booster-Programme angekündigt, darunter Israel, das mit einem Delta-Ausbruch kämpfte. Das Land begann damit, Menschen mit geschwächtem Immunsystem, darunter Krebspatienten und Empfänger von Organtransplantaten, eine dritte Impfung zu verabreichen. Heute ist das alles Standard – selbst die Zeiten zwischen den Impfungen werden weiter verringert. Der TR-Beitrag über die Debatte um COVID-19-Auffrischungsvakzine hatte im Juli 2021 die meisten Aufrufe.

Bin ich schön? In einem Internet voller scheinbar wundervoller Bilder in Form von TikTok-Videos oder Instagram-Postings können sich junge Menschen schon einmal fragen, ob sie da noch mithalten können. Besonders betroffen sind dabei Frauen und Mädchen. Die mittlerweile omnipräsenten Gesichtsfilter machen die Lage noch schlimmer, wie ein Hintergrundartikel von Tate Ryan-Mosley belegt.

Denn trotz der Macht und Verbreitung von Filtern gibt es nur sehr wenige Untersuchungen über ihre Auswirkungen. "Das ist wirklich ein Problem, weil die Filter gegen alles stehen, was uns immer beigebracht wird, nämlich: 'Sei du selbst'", sagt Jeremy Bailenson, Gründungsdirektor des Virtual Human Interaction Lab der Stanford University und Koryphäe in der Virtual-Reality-Forschung. Er sieht einen Unterschied zwischen einer spielerischen Nutzung und einer ständigen Augmentierung unserer selbst in Echtzeit – und es sei wichtig zu verstehen, was diese unterschiedlichen Kontexte für Kinder bedeuten. Der TR-Artikel zu den Auswirkungen des Online-Schönheitswahns war meistgelesener Artikel im August 2021.

(bsc)