Was war. Was wird. Die Weihnachtsedition, nur einen Poronkusema lang
Nein, nein, Glühwein ist nix für Hal Faber. Seltsam behängte Tannen auch nicht. Der Verstand muss ja auch dieser Tage nicht stillstehen.
Abenddämmerung über den Hügeln des Piemont - auch nett an den Feiertagen. Wie war das mit dem Eskapismus? Als ob es darum ginge, wenn's einem irgendwann mal zu viel wird mit Unvernunft, falsch verstandenem Liberalismus und blindem Egoismus, der sich allzu oft auch noch als Achtsamkeit verkauft. Wie meinte der leider verstorbene Verleger für wilde Leser, Klaus Wagenbach: "Gewonnen kann durch Trübseligkeit nie etwas werden."
(Bild: JĂĽrgen Kuri)
Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.
machet auf den tĂĽrel
machet auf den tĂĽrel
dann kann herein das herrel
dann kann herein das herrel
froe weihnacht
froe weihnacht
und ich bin nur ein hund
froe weihnacht
froe weihnacht
und ich bin nur ein hund
Ernst Jandl, Weihnachtslied
Was war.
*** Die Lichterkette hängt ordentlich im Forumsbaum und auch die Reihung der Ministerien ist in protokollarischen Tüchern. Feiertäglich gestimmt wandert der Blick zu 004, der Niedersächsin Annalena Baerbock. Da! Schon wieder ist ihr ein Fehler passiert! Aus irgendeinem Grunde ist ihr großes Vorbild Frau Moses heute Abend nicht im Bild zu sehen, obwohl wir alle wissen, dass die 10 Gebote ein historisches Dokument weiblicher List sind, so als Gegenstück zu den 10 Verboten des Moses: "Du sollst nicht begehren usw. usf." Ob sie wohl elegant wie Königin Nefretiri den letzten ruhigen Weihnachtstag fläzend auf der Liege verbringt? Vielleicht versunken über einen dieser seltsamen Artikel der Sorte der "hat das gesagt, was anderes gemeint und sowieso gibt es keine zuverlässigen Quellen": "Die Staatenlenker von damals sind heute ältere Herren, bisweilen fällt die Erinnerung schwer, und natürlich wollen sie alle in den Geschichtsbüchern gut dastehen." Sagen, was ist kann manchmal ziemlich verwirrend sein. Wer gegen das russische Narrativ von der Osterweiterung der NATO versucht, ein paar Fakten aufzuzählen, hat da halt Pech gehabt.
*** "Was gibt uns jetzt noch Halt?", fragt eine Zeitschrift mit Maria und einem Monsterkind im Titelbild verzagt zum zweiten Corona-Weihnachten. Natürlich unsere Medien, wie sie Tag um Tag uns das Menschliche im Schwurbler, das Tierethische im Philosophen nahebringen. Man nehme nur diese Moderationskärtchen von Markus Lanz für das Gespräch mit der Gottesmutter und lese sie in ihrer ganzen Feinfühligkeit: "Um jetzt mal den ganz großen Bogen zu spannen: Könntest Du Dir auch vorstellen, Greta Thunberg auf die Welt gebracht zu haben?" Was für eine schwierige Frage, wenn die Antwort lauten könnte, dass im Jahr 2022 in einer neuen Religion beide verschmolzen sind, der Knabe und das Mädchen, wie weiland Moses und Echnaton. Das ist zuviel der wilden Spekulation? Gottseidank gibt es noch die dpa zum Erden.
*** Hohoho. Rudolf, das rotnasige Rentier und seine Gefährten sind mit dem Weihnachtsmann im Schlitten über unsere Köpfe gedonnert, nur alle Poronkusema eine Pinkelpause einlegend. Aber was haben sie gebracht? Traditionell ist Weihnachten das Fest der unnützen Geschenke, von Tantes selbstgestrickten Kratzesocken bis zum Alexa-Lautsprecher, der nebenher sinnlose Daten sammelt. Ab und an fragt man seine Wecker oder ein anderes Teil, wie draußen das Wetter ist und das war es auch schon für das große Amazon wie für die kleinen Krauter im Ökosystem. Die ganz enge Bindung an einen Konzern kommt so nicht zustande, was man als positives Zeichen dafür sehen könnte, dass die Menschheit trotz Internet nicht völlig verblödet. Einerseits.
*** Andererseits wusste schon der große Barde etwas, als er seinen Hamlet sagen ließ: "And therefore as a stranger give it welcome. There are more things in heaven and earth, Horatio, than are dreamt of in your philosophy." Wer weiß, dass Horatio damals als Student an der Universität Wittenberg protestantischen Humanismus studiert, mag sich ausdenken, was Shakespeare unter den seltsamen Dingen verstand. Vielleicht waren es die Sachen, mit denen sich Johannes Kepler befasste, der nunmehr seinen 450. Geburtstag begehen könnte. Zu dumm nur, dass der "Geschmack unendlicher Welten" zu Ehren Keplers nur in Österreich verfügbar ist. Zum Start von James Webb mit Milchstraßenbier auf die Milchstraße anstoßen, das wäre was nach Keplers Geschmack.
Was wird
Wir sind alle hübsch belastbare Esel und Eselinnen, das wusste schon Friedrich Nietzsche. Und so schleppen wir und hin, bis dieses elende 2021 zu Ende ist und 2022 beginnt, das Jahr, in dem wir überleben wollen. Wer mit überleben will, kann auch auf dem Sofa liegenbleiben und hat trotzdem ein volles Programm, von A wie about:future über C wie c-base bis Z wie ChaosZone. Oder ist Alles Eins? (Außer der 0 natürlich...) Jedenfalls kann man sich bestens darüber informieren, wie man einen mit Ransomware abgehängten Landkreis nach und nach wieder hochfährt. Irgendwann im schönen 2022 soll die komplette IT wieder funktionieren. Dass man bis zum Jahresende damit fertig ist, hat sich als kleine Illusion herausgestellt. Ähnliches könnte sich beim Ransomware-Angriff auf CGM herausstellen. Die vor dem Fest verschickten Weihnachtsgrüße der deutschen Nummer 1 bei der Verwaltungssoftware für Krankenhäuser und Arztpraxen grüßte nicht nur und empfahl gleich einmal die vorsorgliche Änderung von Passwörtern, sonder schrieb en passant: "Das für Mitte KW 51 geplante Update CGM M1 PRO 26.1.0, in dem die Anpassungen zur Behebung der Log4j-Sicherheitslücke enthalten sind, kann daher nicht wie geplant ausgeliefert werden. Aktuell können wir den Bereitstellungszeitpunkt des Sicherheitsupdates noch nicht vorhersehen." Da kommt Arbeit auf die Gerüstbauer und Abstützhelfer von KRITIS zu. Wer überleben will, muss überleben können.
Gespannt darf man auch auf den Vortrag von Andy Müller-Maguhn sein, der sich langsam zu einer unendlichen Geschichte ausweitet. Es begann knapp vor Corona im Jahre 2019 mit der Erzählung, wie Julian Assange in der Botschaft von Ecuador überwacht wurde. Dann kam im nächsten Teil der Serie die Enthüllung, wie das Telefon von AMM ins Visier der CIA geriet. Das soll nun durch Details der Operation Kudo weiter ausgeführt werden. Die Geschichte geht sicher weiter, ganz wie die eigentliche Geschichte, die unserer Außenministerin nicht schmeckt. Zu Weihnachten haben sich die Anwälte von Julian Assange entschieden, dass sie selbst das oberste Gericht Großbritanniens anrufen werden.
(jk)