Training für ISS-Aufenthalt: Kosmonaut bekommt doch noch US-Visum
Wenige Tage nachdem Russland die Nichterteilung eines US-Visums für einen Kosmonauten kritisiert hat, wurde das nun ohne Begründung doch erteilt.
Nikolai Tschub darf nun doch in die USA reisen.
(Bild: Roskosmos)
Der russische Kosmonaut Nikolai Tschub hat nun doch ein Visum für die Einreise in die USA bekommen, wo er für seinen Aufenthalt auf der Internationalen Raumstation ISS trainieren soll. Das teilte die russische Raumfahrtagentur Roskosmos jetzt mit. Deren Chef hatte die Nichterteilung des Visums vor wenigen Tagen öffentlich gemacht und von einem "gefährlichen Präzedenzfall" für die Kooperation auf der ISS gesprochen.
Damals wie heute gibt es keine Begründung für die zwischenzeitliche Ablehnung des Visums, aber schon Roskosmos-Chef Rogosin hatte die Möglichkeit eingeräumt, dass es sich lediglich um ein Missverständnis gehandelt hat. Das US-Außenministerium hatte die Angelegenheit unter Hinweise auf Datenschutzverpflichtungen gegenüber US-Medien nicht kommentiert.
Visum für Training nötig
Tschub gehört zur Reserve-Crew für einen im September geplanten Start zur ISS, bei einem für März 2023 angesetzten Flug ist er als Teil der Haupt-Crew vorgesehen. Vor solchen Flügen zum Außenposten der Menschheit im Orbit ist es üblich, dass Raumfahrer und Raumfahrerinnen sowohl im Kosmonauten-Trainingszentrum J. A. Gagarin im Sternenstädtchen bei Moskau als auch im Lyndon B. Johnson Space Center der NASA in Houston trainieren. Hier lernen sie die russischen und US-amerikanischen Teile der ISS kennen.
Trotz der politischen Konflikte zwischen den Vereinigten Staaten und Russland hatte die Kooperation in der Raumfahrt weitgehend reibungslos geklappt, auch die nötigen Visa für diese Ausbildungsaufenthalte waren immer erteilt worden. Rogosin hatte die Probleme für Tschub am Wochenende öffentlich gemacht und die NASA zum Eingreifen aufgefordert.
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Die Nichterteilung des Visums könnte die Sicherheit des Kosmonauten gefährden, wenn er an Bord der ISS ist, ohne in den USA trainiert zu haben, hatte Roskosmos gewarnt. Tschub soll sich demnach fünf Wochen lang in Houston auf den Flug ins All vorbereiten. Warum es bei der Erteilung des dafür nötigen Visums zuerst gehakt hatte und wie die Probleme nun gelöst wurden, ist nicht bekannt. Der Ablauf legt nahe, dass es sich tatsächlich nur um ein Versehen gehandelt hat, das nach der öffentlichen Kritik aus Russland behoben wurde.
(mho)