SAP-Berater: Nummer zwei beim Einkommen

Anfang der 2000er Jahre waren SAP-Berater die bestbezahlten IT-Experten. Heute sind das IT-Sicherheitsfachkräfte. SAP-Berater verdienen dennoch sehr gut.

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(Bild: nitpicker/Shutterstock.com)

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Von
  • Peter Ilg
Inhaltsverzeichnis

Auf die Gründung von SAP im Jahr 1972 folgt zwei Jahre später die Einführung der ersten Studiengänge für Wirtschaftsinformatik. Die Studienfächer haben zwar formal nichts mit der Firmengründung zu tun. Aber auch die Wirtschaftsinformatik ist ein Kind dieser Zeit: Anfang der 1970er Jahre wurde die Betriebswirtschaftslehre zum breiten Anwendungsfall für die Informatik. SAP verbindet beide Disziplinen zu gleichwertigen Partnern. Deshalb brauchen SAP-Beraterinnen und -Berater betriebswirtschaftliches und IT-Wissen. Damit war die Notwendigkeit für die interdisziplinäre Funktion Wirtschaftsinformatik geschaffen.

Weil die Standardlösungen zur Unternehmensführung von SAP weit verbreitet sind, werden auch viele SAP-Berater gebraucht. Lukas Bächle ist mit seinen jungen 27 Jahren schon SAP-Senior-Consultant, was damit zu tun hat, dass er schon einige Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel hat. Bächle hat Bachelor- und Master-Abschlüsse an der Hochschule Pforzheim erworben. Zunächst in Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Controlling, Finanzen, Rechnungswesen, dann in Informations-Systems. "Das ist ein Studiengang, der Technologie, Geschäftsprozesse und BWL kombiniert", sagt Bächle. Damit ist der Studiengang auch wie geschaffen für SAP.

SAP-Berater Lukas Bächle studierte in Pforzheim.

Während des Studiums machte Bächle Praktika in Firmen, die SAP-Anwender sind. So kam er zu SAP und wählte diese Technik im Masterstudium zu einem Schwerpunkt. Danach blieb er dabei und wurde SAP-Berater. Drei Jahre hat er bei MHP gearbeitet, einem Management- und IT-Beratungsunternehmen von Porsche. Seit knapp einem Jahr ist er bei Valantic in München.

Valantic ist ein IT-Beratungshaus mit etwa 2.200 Beschäftigten. Davon arbeiten rund 600 in der SAP-Division. "Die meisten sind Akademiker aus den Bereichen Wirtschaftsinformatik, Informatik oder BWL", sagt Birgitt Schmidt-Tophoff, Director Recruiting. Manche haben eine duale Ausbildung, ganz selten sind Berater darunter, die Weiterbildungskurse bei Bildungsträgern besucht haben. "Diese Qualifikation reicht uns meistens nicht aus", sagt Schmidt-Tophoff. Valantic bietet ein SAP-Trainee-Programm an, in dem die Teilnehmenden die Software kennenlernen. Andere bildet das Beratungshaus mittels zertifizierten SAP-Kursen aus oder es stellt ausgebildete SAP-Berater ein. Das Schulungsangebot ist riesig.

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Bächle ist zertifizierter SAP-Berater für FI, dem Modul Finance. Es ist sein Schwerpunktmodul, wie jeder Consultant sein eigenes hat. FI ist eine der ältesten und am weitesten verbreiteten Komponenten in der SAP-Welt. Es umfasst sämtliche Geschäftsprozesse des Finanz- und Rechnungswesens. "Ich unterstütze unsere Kunden bei der Konzeptionierung und Implementierung ihrer Anforderung an das System", sagt Bächle. In Projekten ist er meist Teil eines großen Teams, das mehrere Module im Unternehmen einführt und er für FI zuständig ist. Zurzeit gibt es eine große Welle an Transformationen auf die neue Datenbanktechnologie S/4Hana, weil die Wartung des alten Systems 2027 ausläuft. "Diese Umstellung hat Einfluss auf alle Module, besonders jedoch auf FI", sagt Bächle. Der Grund dafür ist, dass mit der Transformation des alten auf das neue System wesentliche, konzeptionelle Änderungen notwendig sind. Das ist bei anderen Modulen nur bedingt der Fall.

Berater von Valantic entwickeln SAP-Strategien, implementieren und betreiben die Systeme bei vielen hundert Kunden. Valantic ist seinerseits Kunde bei der IT-Personalberatung Ratbacher, wenn das Unternehmen neue SAP-Berater braucht – was permanent der Fall ist. Ratbacher mit Sitz in Stuttgart und Niederlassung in Düsseldorf ist spezialisiert auf die Vermittlung von SAP-Beratern. "Damit haben wir vor 14 Jahren angefangen, seit etwa 8 Jahren suchen wir auch IT-Spezialisten für Softwareentwicklung und Infrastruktur", sagt Björn Bengl, als Direktor zuständig für das gesamte SAP-Geschäft. Um die 400 SAP-Berater vermittelt Ratbacher pro Jahr, aktuell sind 500 Positionen zu besetzen. "Die Lücke zwischen Beratern und offenen Stellen wird immer größer, weil der Bedarf ständig steigt", sagt Bengl. 18 Berater und 3 Recruiter suchen die begehrten Mitarbeitenden: "SAP-Berater bewerben sich nicht, die müssen wir finden und direkt ansprechen", sagt Bengl. Der Erfolg erfordert immer mehr Einsatz.

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Aktuell sind insbesondere SAP-Berater mit Wissen um die neue Datenbanktechnologie S/4Hana gefragt, Spezialisten für Cloudlösungen annähernd gleich stark. Im Kommen sind Experten für die SAP-App-Darstellungen Fiori und UI5 sowie Successfactors, einem neuen Tool für HR. Neben den Standardanwendungen wie FI werden zunehmend für diese neuen Lösungen SAP-Spezialisten in Beratungshäusern, bei Endanwendern und bei SAP selbst gebraucht.

Den Königsweg zum SAP-Berater gibt es nicht. SAP bietet Schulungen an, die mit 10.000 bis 15.000 Euro für ein Zertifikat sehr teuer sind. Bei Anbietern wie der Dekra geht das deutlich günstiger und Quereinsteiger besuchen vom Arbeitsamt bezahlte Kurse bei Schulungsanbietern wie Alpha Deutschland. "Auch diese Leute und Personal mit einer IT-Ausbildung haben gute Chancen am Arbeitsmarkt, um als SAP-Berater unterzukommen", sagt Bengl. Es muss nicht zwingend ein Studium sein.

Aber selbstverständlich wirkt sich eine bessere Qualifikation auf das Einstiegsgehalt aus. Im Westen ist es höher als im Osten und liegt je nach Region mit Studium zwischen 45.000 und 50.000 Euro und damit auf Höhe von Softwareentwicklern und Infrastrukturspezialisten. "Die zuletzt genannten Qualifikationen braucht jedes Unternehmen, SAP aber nicht", sagt Bengl. Insofern liegen alle drei auf einem Niveau, obwohl viel mehr Softwareentwickler und Infrastrukturexperten gebraucht werden als SAP-Berater.

Mit einigen Jahren Berufserfahrung sind SAP-Berater finanziell im Vorteil. "Junge Berater, die 4, 5 Jahre im Job sind und schon mehrmals gewechselt haben, verdienen zwischen 75.000 und 80.000 Euro", sagt Bengl. Die Wechsel und die dadurch gewonnene Erfahrung lassen sie sich entlohnen. Ein höheres Einkommen als SAP-Berater haben nur IT-Sicherheitsexperten.

SAP-Berater bei Anwendern haben geringe Reisetätigkeiten, die Berater in Beratungshäusern haben vor der Pandemie überwiegend in Hotels aus dem Koffer gelebt. Seit Corona arbeiten sie meistens remote, wie Bächle.

Er mag seinen Job und das aus mehreren GrĂĽnden: "SAP ist ein sehr motivierendes Umfeld mit vielen jungen Kollegen und wenn man seinen Job gut gemacht hat und der Kunde zufrieden ist, dann ist das ein erfĂĽllendes GefĂĽhl." Nicht selten werben Kunden Mitarbeiter ab, wie das in der Beratung typisch ist. Das ist ein Grund dafĂĽr, dass sich SAP-Berater nur selten auf Stellenausschreibungen bewerben.

(kbe)