France Telecom beendet Zusammenarbeit mit Schmid und MobilCom [Update]

France Telecom zieht unter dem Streit mit MobilCom-Chef Gerhard Schmid und dem BĂĽdelsdorfer Mobilfunkunternehmen einen Schlussstrich.

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Von
  • JĂĽrgen Kuri

France Telecom zieht unter dem Streit mit MobilCom-Chef Gerhard Schmid und dem Büdelsdorfer Mobilfunkunternehmen einen Schlussstrich. Der Konzern habe den deutschen Partner davon unterrichtet, dass die im März 2000 getroffene Vereinbarung beendet werde, teilte der France-Telecom-Vorstand am Dienstag in Paris mit. Schmid und der Aufsichtsrat hätten wiederholt gegen die Kooperationsvereinbarung verstoßen. Unter anderem verwiesen die Manager des französischen Konzerns auf die Verstöße gegen das Aktienrecht, die Schmid durch die umstrittenen Geschäfte seiner Frau begangen haben soll. Auch das Interview Schmids mit dem stern, dessen Inhalt heute bekannt wurde, dürfte den France-Telecom-Vorstand nicht gerade begeistert haben.

France Telecom ist aber nach Angaben von Jean-Louis Vinciguerra, Finanzchef des Konzerns, bereit, mit "begrenzten Mitteln" eine Insolvenz des Büdelsdorfer Unternehmens zu vermeiden. "Wir verhandeln in den nächsten Tagen weiter mit den Banken." Grund der Empörung für France Telecom sei in erster Linie die Tatsache, dass der Aufsichtsrat zwei Mal MobilCom-Chef Gerhard Schmid nicht entsprechend dem Wunsch der Franzosen entlassen habe. Ferner habe Schmid nicht die etwa 70 Millionen Euro in Folge der dubiosen Transaktionen seiner Ehefrau nach der gesetzten Frist von sieben Tagen zurückgezahlt. Das Verhalten Schmids sei "inakzeptabel", polterte Vinciguerra. Der Deutsche habe "den Geist und den Buchstaben unserer Vereinbarung" schwer verletzt. "Unsere Geduld ist am Ende." Jeder andere Aufsichtsrat hätte Schmid unverzüglich entlassen, meinte Vinciguerra, nun sei das Vertrauensverhältnis zum Aufsichtsrat zerbrochen.

Die Verhandlungen über die etwa 4,7 Milliarden Euro Schulden MobilComs, die bei den Banken Ende Juli fällig werden, will France Teleom weiter führen: "Es muss rasch eine globale Lösung über die Schulden und über die Entlassung Schmids gefunden werden". Nach der nunmehr beendeten Kooperation seien die Franzosen aber nur noch als normale Aktionäre an den Verhandlungen beteiligt und nicht mehr als Partner innerhalb der Vereinbarung mit dem deutschen Unternehmen.

In einer Mitteilung von MobilCom hieß es, es lägen aus der Sicht der Büdelsdorfer Unternehmens keine Vertragsverstöße vor, die eine Beendigung des Kooperationsvertrages rechtfertigten. Der Vertrag sehe eindeutige Regelungen für die Behandlung von potenziellen Vertragsverstößen vor: "Die France Telecom hat bisher keine dieser Eskalationsstufen genutzt". Allerdings begrüße die MobilCom die Fortsetzung der Gespräche der France Télécom mit den Kredit gebenden Banken zu einer langfristigen für die Bilanz der France Télécom verträglichen Lösung.

Gerüchte über eine mögliche MobilCom-Insolvenz und einen Verkauf der France-Telecom-Anteile an MobilCom hatten bereits zu panikartigen Kursstürzen des Papiers geführt. France Telecom ist mit 28,5 Prozent an MobilCom beteiligt; im Zuge der Beteiligung im Frühjahr 2000 hatten beide Firmen eine weitreichende Kooperation beim Aufbau eines UMTS-Netzes in Deutschland angekündigt. Nach Bekanntwerden der Nachricht ging der Kurs der MobilCom-Aktie erst recht in den Sturzflug über: Kurz nach 18 Uhr stand die Aktie bei 7,52 Euro mit 44,71 Prozent im Minus. Kurz darauf wurde die Aktie dann bei einem Minus von 46,40 Prozent und einem Kurs von 7,29 Euro bis zum Börsenschluss am heutigen Dienstag vom Handel ausgesetzt (jk)