IBM strukturiert um

Neue Besen kehren gut: Der neue Chef Samuel Palmisano bringt Veränderungen bei IBM mit sich, die dem Konzern anfangs einige finanzielle Belastungen bescheren.

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  • JĂĽrgen Kuri

Neue Besen kehren gut: Der neue Chef Samuel Palmisano bringt Veränderungen bei IBM mit sich, die dem Konzern anfangs einige finanzielle Belastungen bescheren. IBM wird Vorsteuer-Sonderbelastungen von 2 bis 2,5 Milliarden US-Dollar (2,7 Milliarden Euro) für Stellenstreichungen, den Ausstieg aus dem Festplattengeschäft und Abschreibungen im Mikroelektronikbereich verbuchen. Sie werden vor allem im zweiten Quartal anfallen, teilte der weltgrößte Computerkonzern am gestrigen Dienstag nach Börsenschluss in den USA mit.

IBM hat 1500 Halbleiter-Mitarbeiter nach Hause geschickt, berichtete die amerikanische Wirtschaftsagentur Bloomberg. Dies seien 7,5 Prozent der 20.000 Mitarbeiter der Chip-Sparte. Das Unternehmen habe nach Angaben der Kommunikationsarbeiter-Gewerkschaft CWA in den letzten Wochen mehr als 5.300 Stellen gestrichen. IBM hatte Ende 2001 weltweit fast 320.000 Mitarbeiter. IBM will sich auf seine Kupfertechnologie konzentrieren und ältere Kapazitäten, die mit Aluminium-Technologie arbeiten, beseitigen. Zudem möchte sich der Konzern stärker auf das Design und die Fertigung von Chips ausrichten, die speziell für Kunden entworfen und produziert werden.

Hitachi bezahlt IBM 2,05 Milliarden US-Dollar für die Auslagerung der Festplattensparte in ein gemeinsames Joint Venture, an dem der japanische Konzern mit anfangs 70 Prozent die Mehrheit hält. Dabei gibt IBM 18.000 Mitarbeiter ab; die restlichen Teile des Festplattengeschäfts sollen innerhalb der nächsten drei Jahre an Hitachi abgegeben werden. IBM will sich damit komplett aus der Herstellung kompletter Festplatten zurückziehen.

Die Aktionen sollen die jährlichen operativen Kosten erheblich reduzieren und die kurz- und langfristige strategische Position des Unternehmens stärken, betonte Finanzchef John R. Joyce. An der New Yorker Börse hieß es bereits, die Sonderbelastungen könnten zum ersten Quartalsverlust bei IBM seit acht Jahren führen -- die Prognose für den Nettogewinn im zweiten Quartal lag bei 1,5 Milliarden US-Dollar. Einige Beobachter betonten allerdings bereits, dass dies sich nicht auf die operativen Ergebnisse auswirke und die getroffenen Maßnahmen sinnvoll seien. Ein Analyst von Merryll Lynch verglich die Situation gegenüber dem Wall Street Journal mit der Zeit, als Lou Gerstner Chef bei Big Blue wurde. Damals wie heute, da Samuel Palmisano seinen Job als IBM-Chef angetreten hat, habe IBM hohe Sonderbelastungen ausgewiesen. Palmisano setze aber eigentlich die Herangehensweise von Gerstner fort, trenne sich von bestimmten Hardware-Sparten und lege den Schwerpunkt auf Software und Dienstleistungen.

Die IBM-Aktien haben am Dienstag um 1,54 Prozent auf 79,31 US-Dollar zugelegt. Im nachbörslichen Handel konnten sie diesen Kurs halten, nachdem sie zwischenzeitlich bis auf 79,80 US-Dollar geklettert waren. (jk)