Bund verzichtet vorläufig auf weitere Verkäufe der T-Aktie
Der Bund plant wegen der schwachen Aktie in diesem Jahr keine weiteren Aktienverkäufe aus seinen Beteiligungen an der Deutschen Telekom.
Der größte Telekom-Anteilseigner reagiert auf die Talfahrt der T-Aktie. Der Bund plant in diesem Jahr keine weiteren Aktienverkäufe aus seinen Beteiligungen an der Deutschen Telekom und der Deutschen Post. Das teilte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Karl Diller, dem Haushaltsausschuss des Bundestages in einem Bericht mit, der dpa vorliegt. Bei dem anhaltenden Kurstief um 11 Euro würde ein Verkauf zum jetzigen Zeitpunkt zu einem Flop führen.
Allerdings will die Bundesregierung an der langjährigen Praxis festhalten, Anteilsverkäufe vorab bei der bundeseigenen Frankfurter Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zu "parken". Diese könne sie dann nach Bedarf und marktschonend stückweise an die Börse bringen. "Die Bundesregierung behält sich deshalb vor, dieses Verfahren erneut anzuwenden." Platzhalter-Geschäfte mit der KfW hätten sich bewährt und belasteten auf Grund von Ausgleichsverpflichtungen des Bundes nicht die Bilanz der Bank. Auch die normale Wirtschafts-Fördertätigkeit werde durch die Anteilsaufkäufe nicht beeinträchtigt.
Die T-Aktie war im Herbst 1996 beim ersten Börsengang hoffnungsvoll mit einem Ausgabekurs von 28,50 DM (14,57 Euro) gestartet. Vor gut zwei Jahren erreichte das Papier mit 104 Euro den Höchststand. Das seit längerem anhaltende Kurstief zwischen 11 und 12 Euro wird an der Börse nicht zuletzt mit strategischen Fehlern der Konzernspitze und Riesenschulden in Höhe von 67 Milliarden Euro erklärt. Gestern rutschte die T-Aktie wie schon einige Male im Mai auf ein neues Allzeittief von 10,90. Am heutigen Börsentag konnte sie sich bislang um 1,36 Prozent auf 11,17 einigermaßen erholen.
Bereits im September 2001 hatte Bundesfinanzminister Hans Eichel betont, die Telekom und die Post sollten weiter privatisiert werden. Schon damals standen aber wegen der "Unterbewertung" der Aktie keine Verkäufe an. Der Bund ist seit dem vorigen Jahr nicht mehr Mehrheitsaktionär. Sein und der Anteil der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau an der Deutschen Telekom AG war mit dem Erwerb von VoiceStream und Powertel per Ende Mai 2001 auf rund 43 Prozent gesunken. (anw)