AOL Time Warner will sich mit Hilfe von AT&T sortieren
CEO Richard Parsons will sein Unternehmen durch mehr Ăśbersichtlichkeit fĂĽr Investoren attraktiver machen.
Richard Parsons ist sein Unternehmen zu undurchsichtig. Um es "besser verstehen zu können", wie es das Wall Street Journal formuliert, will der CEO von AOL Time Warner zumindest sein TV-Kabelgeschäft umsortieren. Dazu laufen angeblich derzeit Gespräche mit AT&T und Comcast über ein Ende des Joint Ventures bei Time Warner Entertainment (TWE). AOL Time Warner hält derzeit 74,5 Prozent Anteile an dem Unternehmen, der Rest ist in Händen von AT&T.
TWE ist Hauptanteilseigner an den Warner Filmstudios, dem Kabelsender Home Box Office (HBO) und am TV-Kabelnetz. Ein anderer Teil des Kabelnetzes befindet sich im Besitz von Time Warner Cable und direkt bei AOL Time Warner. Nach dem aktuellen Stand der Verhandlungen sollen die Filmstudios und HBO vollständig AOL Time Warner unterstellt werden, während die Anteile am Kabelnetz, die direkt im Besitz der Firmenmutter sind, in Time Warner Cable eingegliedert werden sollen. An diesem Unternehmen soll AT&T dann zu 35 Prozent beteiligt sein.
Dieser Anteil soll an der Börse zu Geld gemacht werden, während AOL Time Warner seine 65 Prozent behält. Analysten befinden den jetzigen Zeitpunkt für einen Börsengang als sehr ungünstig für Kabelnetzbetreiber. Allerdings würden die 35 Prozent AT&T-Anteile ansonsten Ende des Jahres in Besitz von Comcast kommen, das dann die Kabelsparte von AT&T übernimmt, wenn die US-Aufsichtsbehörden keinen Einspruch erheben. Genau da liegt aber der Hase im Pfeffer: Bekommt Comcast auch noch Time Warner Cable, könnte das erst recht Probleme mit den US-amerikanischen Wettbewerbshütern ergeben. Aber AOL Time Warner sieht auch einen finanziellen Vorteil: Durch die entwirrte Firmenstruktur werde das Unternehmen attraktiver für Investoren.
AOL Time Warner ist hoch verschuldet. Deshalb fehlen dem Unternehmen die nötigen Mittel, um durch Akquisitionen seine Anteile am US-amerikanischen TV-Kabelmarkt zu vergrößern. Eine Niederlage hatte das weltgrößte Medienunternehmen wohl auch deshalb im Dezember vergangenen Jahres einstecken müssen, als es im Bietergerangel um die Kabelsparte von AT&T Comcast unterlag. (anw)