Oracle-Chef Ellison wirbt weiter fĂĽr US-Zentraldatenbank
Verzichtet man auf die Nutzung zentralisierter Datenbestände, riskiert man den Tod von Menschen, resümiert der Gewinner des diesjährigen Big Bother Awards.
Oracle-Chef Larry Ellison hat sich erneut für die Einrichtung einer zentralen Datenbank in den USA stark gemacht, in der persönliche Daten von US-Bürgern gespeichert werden sollen -- darunter Daten zum Gesundheitszustand und Informationen über eventuelle Vorstrafen. Bei einer Technologie-Veranstaltung in Denver, Colorado, stellte der Gründer des Datenbank-Konzerns heraus, dass man durch die Nutzung zentralisierter Datenbestände "das Leben zahlreicher Menschen retten" könne. So ließen sich zum Beispiel gefährliche Unverträglichkeitsreaktionen bei Patienten vermeiden, wenn Ärzte vor einer Medikamenten-Applikation Patientendaten von einer Zentralstelle anfordern könnten. "Der Staat muss jetzt das Heft in die Hand nehmen, um den Tod von Menschen zu verhindern", warb Ellison für eines seiner Lieblingsprojekte.
Ein Zentralsystem mit einheitlicher (Oracle-)Datenbankstruktur löse viele Probleme in den Bereichen der Gesundheitsvorsorge und der Strafverfolgung, resümierte Ellison vor den etwa 3000 Zuhörern. Einwände, dass die zentrale Speicherung sensibler Personendaten womöglich gefährlich sei und das Recht der Bürger auf Schutz der Privatsphäre verletze, wischte Ellison beiseite. In einer staatlich kontrollierten Zentraldatenbank seien die Daten um einiges sicherer aufgehoben als in einer Arztpraxis, wo jeder Angestellte Zugriff darauf habe, sagte der Gewinner des diesjährigen Big Brother Awards in den USA.
Oracle, das rund ein Viertel seines Jahresumsatzes mit Geschäften im Bereich des E-Government erzielt, war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, weil die Firma dem US-Bundesstaat Kalifornien deutlich überteuerte Software verkauft haben soll. Ohne das sonst übliche Ausschreibungsverfahren hatten das kalifornische Department of Information Technology (DOIT) zusammen mit dem Department of General Services (DGS) Programme geordert, die anderenorts ein Drittel billiger zu bekommen gewesen wären. Spendenzahlungen vor und nach der Geschäftsabwicklung an hochrangige kalifornische Regierungsvertreter hatten zusätzliche Fragen aufgeworfen.
Zum Jahreswechsel hatte Ellison, dessen erster Kunde die Geheimdienstbehörde CIA gewesen sein soll, der US-Regierung kostenlos die Database-Software Oracle 9i zur Verfügung gestellt. Ausgestattet mit speziellen Sicherheits-Features sollte die Software die Behörden nach den Anschlägen vom 11. September beim Aufbau eines Datenbanksystems unterstützen, das den Zugriff auf einen einheitlichen Datenbestand über Personaldaten von Bürgern ermöglicht. Ziel dabei: Straftäter und Terroristen frühzeitig ausfindig machen. (pmz)