US-Mobilfunker entdecken die Kids
Der neueste Hit von Teeny-Idol Britney Spears oder gar HipHop als Klingelton -- der Erfolg von Europas Mobilfunkern bei den Jugendlichen inspiriert die US-Konzerne bei der Suche nach neuen Märkten.
Mancher mag ja schon genervt reagieren, wenn mal wieder ein Handy in der U-Bahn oder im Gewühl der Fußgängerzone klingelt -- und im gewöhnlich recht quäkenden Ton den neuesten Hit von Teeny-Idol Britney Spears dudelt oder gar versucht, HipHop zu Gehör zu bringen. Eines jedenfalls zeigen viele Handy-Klingeltöne deutlich: Die Mobilfunk-Anbieter in Europa waren sehr erfolgreich dabei, Handys und Zugang zu Mobilfunknetzen an die Kids zu vermarkten. Nicht zuletzt der von den Netzbetreibern gar nicht erwartete Boom von SMS bei den Jugendlichen machte einen großen Teil der Erfolggeschichte aus. Und diese Erfolgsgeschichte war so beeindruckend, dass Kinder ohne Handy bereits einmal als "gefährdete Außenseiter" bezeichnet wurden. Allerdings rief der Boom auch die Verbraucherschützer auf den Plan. Denn nicht wenige Kids brachten ihre Eltern durch exorbitante Mobilfunkrechnungen in Bedrängnis. Und die Gefahren des Elektrosmogs für Kinder, die Handys benutzen, führten in Großbritannien zu der Empfehlung, Handys nicht an Jugendliche zu verkaufen.
Ungeachtet dessen nehmen sich die US-amerikanischen Mobilfunkunternehmen nun die europäische Erfolgsgeschichte zum Vorbild, um wieder Leben in einen weitgehend gesättigten Markt zu bringen. Zum "Sound des Sommers" in den USA gehört auch für amerikanische Teenies möglicherweise dieses Jahr das Klingen von Handys, meint die Silicon-Valley-Tageszeitung San Jose Mercury News in einem Bericht. Bislang haben sich die US-Mobilfunker vor allem darauf konzentiert, ihre Dienstleistungen und Geräte an Erwachsene zu verkaufen. Handys sind zudem immer noch oft eine Angelegenheit für Geschäftsleute. Das soll sich nun grundlegend ändern -- bis zum Jahr 2004 soll sich die Zahl der Mobilfunkkunden im Alter zwischen 10 und 24 Jahren fast verdreifachen, von gegenwärtig 11 auf 30 Millionen User, meint eine Marktforschungsfirma.
"Wir haben eine gewisse Sättigung erreicht, aber es gibt immer noch Möglichkeiten für Wachstum", sagte ein Marketing-Manager von Verizon Wireless dem Blatt. "Wir zielen nun sowohl auf Jugendliche als auch auf ihre Eltern." Dazu gehören bei Verizon ebenso wie bei der Konkurrenz spezielle Marketing-Kampagnen, die mit hippen Spots und kreischbunten Anzeigen die Kids locken sollen. Ebenso werden spezielle Tarife aufgelegt, etwa mit niedrigen Gesprächsgebühren, freien Gesprächsminuten oder Prepaid-Versionen. Und die Argumentationshilfen der Mobilfunker zur Überzeugung der Eltern, dass ihre Youngster unbedingt ein Handy brauchen, hört sich für Europäer recht bekannt an: Man könne immer in Kontakt mit seinen Kindern bleiben und müsse sich keine Sorgen machen.
Allerdings fehlt in den USA ein Baustein des europäischen Erfolgs: Bislang konnte offensichtlich noch niemand einem Amerikaner begreiflich machen, warum er mit einer winzigen Handy-Tastatur mühsam einen Text von maximal 160 Zeichen Länge für eine Nachricht auf dem Mobiltelefon eingeben sollte; die Berichte über den europäischen SMS-Boom in amerikanischen Zeitungen lösten in der Regel eher Heiterkeit aus. Ob kurz oder lang: Textnachrichten per Handy sind in den USA noch kein großes Thema. Ob dies die Vereinbarungen von AOL und Microsoft mit Mobilfunkbetreibern, das aus dem Internet bekannte und sehr beliebte Instant Messaging aufs Handy zu bringen, ändern kann, ist noch nicht ausgemacht. Aber nicht nur die Betreiber der Mobilfunknetze dürften daran interessiert sein: Ein zusätzliches Argument zum Kauf eines Handys für die Kids ist den Anbietern der Dienstleistungen , die sich neue Märkte erschließen wollen, jederzeit willkommen -- und natürlich auch den Herstellern der Mobiltelefone, die in letzter Zeit arg gebeutelt wurden. (jk)