heise meets … Hat Deutschland den Anschluss an die Digitalisierung verloren?
Achim Berg, unter anderem Bitkom-Präsident, beklagt, dass es in Deutschland am Willen zur Digitalisierung fehle und wir international weiter abfallen würden.
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Lesezeit:
4 Min.
Von
Gisela Strnad
Inhaltsverzeichnis
"Ich bin überrascht, wie gleichgültig, fast schon fatalistisch, sich viele gegen den Fortschritt verschließen. In den Behörden sind wir in den 80er-Jahren stehen geblieben und in den Schulen in den 70er-Jahren. Unser Land wirkt schlaff", sagt Achim Berg. Die Welt wartet nicht auf uns und wenn wir es nicht schaffen den Anschluss wieder herzustellen, wird es langfristige Folgen für uns haben. Das Kapital und die Möglichkeiten sind vorhanden, es muss nur umgesetzt werden. "Wir müssen den Bürgern noch mehr den Mehrwert der Digitalisierung erklären, sie abholen und ihnen die Angst vor digitalen Themen nehmen" wünscht sich Achim Berg.
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Bildung wie vor 100 Jahren und hemmende BĂĽrokratie
Achim Berg, unter anderem BITKOM Präsident, beklagt: "Es fehlt in Deutschland am Willen zur Digitalisierung. Im internationalen Vergleich fallen wir immer weiter ab."
"Ich bin entsetzt, dass aus dem Bildungspakt 1.0 bislang nur zwölf Prozent des Geldes abgerufen wurde. Das ist nicht zu entschuldigen", bemerkt Achim Berg. Der Koalitionsvertrag gibt aber Hoffnung und die 1:1 Gespräche mit einigen Ministern ebenfalls, sie wollen digitale Themen pragmatisch umsetzen. Wir brauchen dringend eine neue Verwaltung, in der Verwaltungsprozesse neu gedacht werden und wir damit zu einem proaktiven Verwaltungshandeln kommen. "Wir schaffen eine Veränderung in diesem Land nur, wenn das verloren gegangene Vertrauen in den Staat wieder hergestellt wird. Die Verantwortlichen in der Bundesregierung und in den Ländern haben die Tatsache 'ich will es jetzt' nicht konsequent umgesetzt", meint Achim Berg.
Neue Initiativen sollen helfen und Quo Vadis Start-ups
Der von der EU verabschiedete "EU-Chip Act" und die damit verbundenen Fördergelder locken Chiphersteller, wie zum Beispiel Intel nach Deutschland. "Aber wir müssen auch bestellen. Die Fabriken stehen zwar in Deutschland, aber produzieren für den Weltmarkt", führt Achim Berg an.
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Start-ups waren in den vergangenen Jahren immer wieder der Garant für neue Ideen und Innovation. Leider geht die Zahl der Gründungen in Deutschland zurück. Laut einer Studie, die Achim Berg zitiert, würden 56 Prozent nie ein Start-up gründen und nur 16 Prozent sind wahrscheinlich bereit. Dabei gibt es keinen Unterschied zwischen Alter, Bildungsgrad und Geschlecht. "Mich haben diese Zahlen fassungslos gemacht. Wir haben scheinbar, eine Sattheit im Land erreicht, die Risiko scheut. Aber alle schauen auf die großartigen Gründer", bemängelt Achim Berg. Die Offenheit für neues geht uns leider verloren und wir drehen uns im Kreis. Es fehlt oftmals an Risikobereitschaft und ein Drittel der Bevölkerung lehnt die Digitalisierung immer noch ab. "Aber die Postkutsche wird nicht wiederkommen", sagt Achim Berg.
Der vor einigen Jahren vom Bitkom initiierte "Digitaltag", ist ein echter Erfolg, es gibt bereits über 10.000 digitale Veranstaltungen pro Jahr von der Feuerwehr, über die Landfrauen bis hin zu Unternehmen und Behörden. Es ist erfreulich zu sehen, wie viel kleine Dinge passieren.
Als seine persönlichen digitalen Ziele benennt Achim Berg "die digitale ID, das Rightsizing des Datenschutzes und den digitalen Euro". Zudem bemerkt er, dass Europa die Führerschaft in einigen Themen übernehmen könnte, wenn wir nicht mit der "Gießkanne" alles angehen würden – wir müssen uns konzentrieren. Seiner Meinung nach die Themen, Medizintechnik mit KI und Autonomes Fahren. In diesen Bereichen haben wir bereits die meisten Patente. Wobei die Abhängigkeit zu den USA und Asien immer bleiben wird. "Sorge macht mir die Verwaltung und die Schulen, hier müssen schnellstens Entscheidungen getroffen werden", sagt Achim Berg.
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