Computex

Hoffnungsträger UMTS

Mitten in der schwersten Krise der deutschen High-Tech-Branche ist am Montag in München die Computermesse Systems für die Besucher eröffnet worden.

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Mitten in der schwersten Krise der deutschen Hightech-Branche ist am Montag in München die Computermesse Systems für die Besucher eröffnet worden. Bis Freitag zeigen 1.600 Firmen ihre Neuheiten rund um Computer, Internet und Telekommunikation. Im Vergleich zum Vorjahr brach die Zahl der Aussteller damit um ein Viertel ein. Trotz sinkender Umsätze und Massenentlassungen in der Branche warnte der IT-Branchenverband Bitkom vor Resignation. "Wir dürfen jetzt nicht den Fuß vom Gaspedal nehmen", sagte Verbands-Vizepräsident Willi Berchtold laut dpa. Große Chancen biete vor allem der neue Mobilfunkstandard UMTS.

Auf der Systems werden erstmals in Deutschland die ersten UMTS-Handys gezeigt. Am zweiten Messetag wollen Spitzenmanager der Mobilfunkkonzerne eine Zwischenbilanz über den Aufbau der UMTS-Netze ziehen. Zu den Schwerpunkten auf der zweitgrößten deutschen Computermesse nach der CeBIT zählen außerdem die Themen Computer-Sicherheit, neue Technologien für den kabellosen und mobilen Internetzugang sowie der Handel und die Verwaltung über das Internet. Um die Ausbreitung virtueller Rathäuser und Behörden voran zu treiben, sollte die Bundesregierung das Thema nach Ansicht des Bitkom zur Chefsache machen. Die Vielzahl unterschiedlicher Projekte in den Ländern und Kommunen bremse die Ausbreitung virtueller Behörden im Internet. "In Deutschland gibt es zurzeit einen Flickenteppich unterschiedlicher Initiativen."

Zum ersten Mal nach Jahren des Wachstums erwartet Bitkom in diesem Jahr für die Branche in Deutschland einen Umsatzrückgang um 1,3 Prozent und den Abbau von 28.000 Arbeitsplätzen. Die IG Metall warnte die Firmen aber vor einer kopflosen Personalpolitik. Allein die Deutsche Telekom will in den kommenden Jahren 50.000 Stellen streichen und dadurch Kosten in Milliardenhöhe sparen. Schon im kommenden Jahr würden so allein in der Festnetz-Sparte 500 Millionen Euro eingespart, sagte der zuständige Vorstand Josef Brauner auf der Messe. Bis zum Jahr 2005 sollen die Einsparungen dort bei 2 Milliarden Euro liegen. Trotz ihrer Milliardenschulden will die Telekom aber weiterhin in den Ausbau von Breitbandtechnologien für den schnellen Internet-Zugang investieren.

Während viele Firmen vergeblich auf Kunden warteten, scharten sich die Besucher am Montag um das IT-Survival Team der IG Metall. In der Krise verbreiten die einst verspotteten Gewerkschafter bei den Computer-Experten Zuversicht. "Es ist nicht vorbei mit der Branche", sagte Gewerkschafter Wolfgang Müller. Auch die Aussteller gaben am ersten Messetag Durchhalteparolen aus: Der nächste Aufschwung komme bestimmt.

Die Veranstalter hoffen bis zum Ende der Messe am Freitag auf mehr als 100.000 Besucher. Im vergangenen Jahr war die Zahl um 18 Prozent auf 121.000 eingebrochen. Auch die Zahl der Aussteller war schon 2001 deutlich gesunken. Besonders aus dem Internet-Bereich haben viele frühere Aussteller die Krise nach Angaben der Veranstalter nicht überlebt. Ein Trost für die Messebesucher: Wenigstens wurden durch die Halbierung der Anzahl der Ausstellungshallen die Wege kürzer und die Füße geschont.

Diese laufen dann mitunter über "kriminellen Boden": Microsoft will durch eine Aktion auf das Problem der Raubkopien aufmerksam machen. Dazu schüttete die deutsche Niederlassung des Sofware-Konzerns mehrere Hundert illegale Kopien ihrer Software in den Eingangsbereich des Messegeländes. Besucher werden von Informationstafeln folgendermaßen aufgeklärt: "Stehen Sie auf Raubkopien? Jede dritte professionell in Deutschland eingesetzte PC-Software ist illegal". (anw)