Regulierer will nicht an UMTS-Lizenzbedingungen rĂĽtteln
Die etablierten Mobilfunkbetreiber wollen derweil vom Aus des Spätstarters Quam und von den Problemen bei Mobilcom profitieren.
Trotz der Probleme bei den Mobilfunkfirmen Mobilcom und Quam soll an den UMTS-Lizenzbedingungen nicht gerüttelt werden. Die Vergabebedingungen würden nicht geändert, sagte der Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, Matthias Kurth, am Dienstag auf dem "UMTS-Gipfel" während der Systems in München. Ein Verkauf der Lizenzen sei nach geltendem Recht nicht möglich. Auch die Laufzeit der Lizenzen gelte weiter bis zum Jahr 2020. In dieser Zeit sollte es nach seiner Einschätzung möglich sein, mit UMTS-Dienstleistungen Gewinne zu erzielen.
Die Regeln seien recht flexibel und ermöglichten beispielsweise Kosteneinsparungen beim Aufbau und Betrieb der Mobilfunknetze durch Kooperationen, sagte Kurth. Derzeit sei die Behörde mit allen Lizenznehmern in Gesprächen. Er sei optimistisch für die neue Mobilfunkgeneration gestimmt.
Die etablierten Mobilfunkbetreiber wollen derweil vom Aus des Spätstarters Quam und von den Problemen bei Mobilcom profitieren, dabei haben alle UMTS-Lizenznehmer so mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen. "Der UMTS-Kuchen bleibt gleich groß. Die Stücke für die einzelnen Anbieter werden aber möglicherweise größer", ist sich E-Plus-Chef Uwe Bergheim sicher. Daher sei die Einstellung des Geschäftsbetriebs bei Quam für die Branche eine gute Nachricht, meinte er laut dpa am Rande des UMTS-Gipfels. Die Tochter von Telefonica/Sonera hatte zuvor angekündigt, zum 15. November aufzugeben und den 200.000 Kunden empfohlen, zur Telekom-Tochter T-Mobile zu wechseln.
Mit der Entscheidung von Quam scheint die von vielen erwartete Bereinigung des Mobilfunkmarkts jedenfalls an Fahrt zu gewinnen -- auch wenn das Konsortium der finnischen Sonera und der spanischen Telefonica ein recht kurzes und von vielen als recht seltsam betrachtetes Gastspiel auf dem deutschen Markt gab. "Die Konsolidierung war überfällig", sagte Vodafone-Technikvorstand Helmut Hoffmann gegenüber dpa. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass der Markt nicht groß genug sei für sechs Anbieter. Trotz der Probleme bei Mobilcom und Quam dürften die Lizenzbedingungen nicht zu Lasten der anderen Unternehmen geändert werden. Die Regeln besagen unter anderem, dass eine UMTS-Lizenz nicht verkauft werden kann. Im Pleitefall fällt sie an den Staat zurück.
Da ist es auch kein Wunder, dass Quam vorerst an der UMTS-Lizenz festhalten will, wie ein Firmensprecher erneut betonte. Zwar haben die Quam-Partner die bisherigen UMTS-Kosten in Deutschland bereits abgeschrieben, und die Hoffnung, durch die Gewinnung von GSM-Kunden für das spätere UMTS-Netz vorzusorgen, hat sich nach dem Aus für Quam nicht erfüllt. Trotzdem muss man ja als Besitzer der Lizenz die Hoffnung nicht aufgeben, sie später doch noch einmal gewinnbringend einsetzen zu können: Entweder durch eine dann doch erlaubte Kooperation mit einem anderen Anbieter oder durch einen Gesinnungswandel beim Regulierer, der möglicherweise doch noch einen Verkauf erlaubt. Dass Quam noch einmal als UMTS-Anbieter mit eigenem Netz in Deutschland auftritt, daran glaubt in der Branche allerdings kaum noch jemand -- schon vor dem endgültigen Aus wurden Quam wenig Chancen eingeräumt, im UMTS-Geschäft dauerhaft zu bestehen. (jk)