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Was wirklich war - Auflösung des ersten Sommerrätsels

Der Montag geht, die Aufklärung kommt - in kleinen Schritten. Insgesamt kann sich die Bilanz des ersten Sommerrätsels sehen lassen: Von den zehn Fragen wurden zwei nicht gelöst. Eine Frage lief in die Irre.

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Von
  • Detlef Borchers

"Computerkarten" der Jungsozialisten von 1975

Der Montag geht, die Aufklärung kommt - in kleinen Schritten. Insgesamt kann sich die Bilanz des ersten Sommerrätsels sehen lassen: Von den zehn Fragen wurden zwei nicht gelöst. Eine Frage lief in die Irre.

Beginnen wir mit Frage 1: Vor 210 Jahren wurde der Stein von Rosetta von den Franzosen gefunden und vom Franzosen Champollion weitgehend entschlüsselt. Man mag sich darüber streiten, ob es nur das Stolpern über ein Stück Geröll war oder ein Riesenschritt. Jedenfalls erschloss sich der Menschheit mit dem 762 Kilo schweren Brocken eine ganze Welt, während die 21,55 Kilo Mondgestein von Apollo 11 nur ergaben, dass die Mondoberfläche vor 4,5 Mrd. Jahren geschmolzen war. Außerdem wissen wir dank dem seit 40 Jahren funktionierenden Lunar Laser, dass sich der Mond von uns entfernt, und zwar mit 3,8 Zentimetern pro Jahr. Das tut der Stein von Rosetta im British Museum nicht. Die Chiffrierung war simpel, doch eigens für die Generation Upload in einer Art IP-Format gestaltet, wobei das Auffüllen mit Nullbytes wie bei einer seriellen Leitung an "alte Zeiten" erinnern sollte.

Keine Chancen hatte auch der Mechanismus von Antikythera in Frage Nummer 2. Sie wurde gelöst, obgleich die verwendete Illustration auf ein Squeak-Programm verweist, das für das Projekt "One Laptop per Child" entwickelt wurde. Immerhin ein netter Verweis, was bei OLPC unter aufklärendem Lernen verstanden wird, ein passender Vortrag (PDF-Datei) zur Feier des Unix-Geburtstages vor 40 Jahren.

Dagegen verlief sich die Frage 3 im Ungewissen, geschuldet wohl der unpräzisen Fragestellung. Denn das Generationenproblem der Flipflops ist ein Problem der Computergeschichte. Eigentlich hätten die ersten Computer nach 1919 mit dem FlipFlop-Schaltkreis von Eccles und Jordan gebaut werden müssen. Tatsächlich setzte diese Entwicklung aber erst 1941 ein. Bis heute ist das Rätsel der FlipFlop-Legende ungelöst.

Die vierte Frage beschäftigte sich schließlich mit der Mondlandung und war, wie von Lesern gewünscht, eine Fangfrage. Während etliche Abhandlungen sich mit den offenbar von Norman Mailer geschriebenen Sätzen beschäftigen, die Neil Armstrong aufsagen sollte, beschäftigen sich nur wenige Menschen mit den verlorenen Aufzeichnungen der Apollo-11-Mission. Immerhin: Nachdem der Verlust festgestellt worden war, hatte die NASA das strikte Verbot zur Datenlöschung eingeführt. Der Mars kann kommen.

War die Abbildung eines europäischen Root-DNS-Servers in Frage 5 schnell abgehakt, so erwies sich Frage 6 als harte Nuss. Ein Ausschnitt aus einer Lochkarte war zu sehen und wurde vielfach der GEZ zugeordnet. Tatsächlich bezog sich die Frage auf eine im WWWW erwähnte Geschichte: 1975 verteilten die Jungsozialisten in der SPD-NRW im Zuge der Rotfunk-Debatte 250.000 "Computerkarten", auf denen Jugendliche die Sendung Radiothek durch entsprechende Lochung bewerten sollten. "Lesen - Lochen - Zurückschicken!" forderte die Aktion und proklamierte: "Computer stehen auf der Seite des Fortschritts."

Frage 7 geht auf eine Idee von Claude Shannon zurück und zeigte eine Bastelei des Genies. Shannon behauptete, dass Menschen Mustern folgen, selbst wenn sie zufällige Werte einzugeben meinten. Seine abgebildete putzige Maschine mit dem Mondgesicht bewies seine Annahme. In 60 Prozent aller Einsätze konnte der Computer richtig angeben, ob sein menschliches Gegenüber im nächsten Zug die 0 oder 1 wählt. Das Bild entstammt einer Ausstellung des Heinz Nixdorf Museumsforum, die ab November über den Jongleur der Wissenschaft informiert.

Frage 8 gehört zum speziellen Logo-Rätselraten, das auf Visitenkarten vergangener Zeiten setzt. Das erste Bild zeigt das Logo von Silicon Graphics, das zweite das Logo der Theos Software Corporation während das dritte Logo zu MIPS Technologies gehörte, bevor die Firma von Silicon Graphics aufgekauft wurde. Die Software Theos hat in der Hardware-Reihe nichts zu suchen.

Richtig hart wurde es in Frage 9 mit einer Maschine, die Festplatten zu Schrot verarbeitet. Einige Leser tasteten sich ganz nah ran, andere vermuteten die "Internet Hate Machine" in zeitgemäßer SPD-naher Verpackung, doch handelt es sich hier um ein Angebot, das auf dem OpenAir-Festival Hacking at Random (HAR 2009) genutzt werden kann. Der Daten schützende Shredder soll für HAR werben, das kaum noch Werbung braucht: In wenigen Stunden läuft der Vorverkauf der Einlasskarten ab und stolz twittern die Organisatoren, dass man nahezu ausverkauft sei.

Die letzte Frage 10 wurde wiederum postwendend gelöst: Wer in naher Zukunft Kapuzinermenschen in der Menge sieht, mag an Grufties denken oder diese Mittelalterspiele, die im Sommer populär sind. Tatsächlich handelt es sich um "Privacy to Go", einen Privatsphärenschutz nach Vorbild der bekannten Kopfbedeckungen für Verschwörungstheoretiker. (Hal Faber) / (pmz)