Neustart für Intershop in den USA
Das ostdeutsche Software-Unternehmen wagt im USA-Geschäft einen neuen Versuch mit neuem Management.
Das Software-Unternehmen Intershop plant im USA-Geschäft einen Neustart mit neuem Management. Zum Präsidenten der Vertriebsorganisation in den USA wurde Gary DiOrio berufen, heißt es in einer Mitteilung. DiOrio ist der frühere Vorstandschef Nordamerika der Plaut AG, einem so genannten SAP-Integrator. Intershop als ehemaliges Aushängeschild der ostdeutschen Internet-Wirtschaft hatte auf Umsatzeinbußen und hohe Verluste mit Halbierung der Belegschaft und Veränderungen im Management reagiert. "Wir haben alle wichtigen Positionen bei Vertrieb und Finanzen neu besetzt", sagte der Unternehmensgründer Stefan Schambach der dpa.
Nach dem Umbau des angeschlagenen Unternehmens, das an der Frankfurter und der US-amerikanischen Technologiebörse NASDAQ notiert ist, will Schambach wieder mehr Augenmerk auf das Nordamerika-Geschäft legen. "Wir haben im wichtigen US-Markt überlebt und unser Geschäft stabilisiert. Jetzt wollen wir organisches Wachstum organisieren. Wir verlieren hier kein Geld." Dabei war vergangenes Jahr die Strategie, führender Anbieter von E-Business-Systemen auf dem US-amerikanischen Markt zu werden, nicht aufgegangen. Daraufhin hatte Intershop das Vertriebsnetz dort stark ausgedünnt.
Von Intershop als Anbieter von Programmen für den Internet-Handel von Großunternehmen werde Präsenz auf den wichtigen Softwaremärkten erwartet, hieß es nun. Schambach hofft auf gute Wachstumschancen 2003. Mittwoch Mittag notierten die Papiere des Unternehmens im Frankfurter XETRA-Handel bei 0,60 Euro und damit rund 36 Prozent im Plus. DiOrio habe bei Plaut gezeigt, "dass er für eine europäische Firma in den USA ein profitables Geschäft aufbauen kann", begründete Schambach die Personalentscheidung. DiOrio löst Ray Schaaf ab, der künftig das Intershop-Geschäft in Asien verantwortet. Beide Vertriebsmanager berichten dem Vorstandschef direkt.
Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung Ende Oktober in Hamburg will Intershop Voraussetzungen für den Einstieg von Finanzinvestoren schaffen. Die Aktionäre sollen über einen Kapitalschnitt durch Zusammenlegung von fünf alten zu einer neuen Aktie entscheiden. Mitte des Jahres verfügte die Gesellschaft nach eigenen Angaben über liquide Mittel von 26 Millionen Euro. Die Software-Schmiede mit noch 500 Mitarbeitern, davon 45 im US-Vertrieb, hatte ihre Umsatzerwartung für das dritte Quartal um rund ein Viertel auf 9 Millionen Euro heruntergeschraubt. Nach bisherigen Prognosen soll das letzte Quartal 2002 erstmals wieder mit einem ausgeglichenen Ergebnis nach Zinsen, Steuern und Abschreibungen enden. (anw)