Was war. Was wird. (fast schon traditionell enthaltend die ersten Rätsel einer doch noch lauen Sommernacht)
Ach, nicht jeder hat das Talent, den Karren so richtig in den Dreck zu fahren. Wer das schafft, der hat sich seine Abfindungen redlich verdient, meint Hal Faber, und feiert das Sommerloch.
Natürlich möchte die Wochenschau von Hal Faber wie immer den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich. Aber sie ist traditionell in diesen Sommertagen auch mehr: Ein Sommerrätsel, das die Hirnwindungen vor der Austrocknung bewahren soll im schrumpfenden Sommerloch.
Was war.
*** Sommer, Sonne, Schweinegrippe! Vor allem aber Sommer! Die hohe Zeit der Nachrichtenproduktion ist angebrochen, wo nur noch anspruchsvolle Themen zählen. In Gedenken an "Sammy", den mörderischen Kaiman, und "Kuno", den Killer-Wels, ist das Sommerloch ausgebrochen, ausgerechnet in Schleswig-Holstein, wo "Harry", der Ministerpräsident die Schnauze voll hat und zum Walkampf bläst. Zuvor plätscherte es doch so behaglich an den Nordstränden, eine Arbeitsplatzgarantie hier, ein paar Millionen da für einen Banker, der Grundlagen für die Neuausrichtung gelegt hat. Kann ja nicht jeder sowas tolles Ausrichtendes machen, da treibt man schnell kieloben, hoch im Norden, auf den Strand zu.
*** Ja, toll finden sich viele, aber manchmal schaut man besser genauer hin. Wenn es um Kontrolle und Überwachung geht, ist die Linke nicht zwangsläufig auf Seiten der Bürgerrechte – zumal dann nicht, wenn sie an der Regierung ist. Das verwundert eigentlich nicht, bedingen doch staatlicher Dirigismus oder gar Planwirtschaft und ein sozialistischer Wohlfahrtsstaat selbst ein gerüttelt Maß an Überwachung und Kontrolle. Wenn's dann auch noch der Absicherung des Regimes dient, wie gerade bei einigen der lateinamerikanischen neulinken/populistischen Regierungen zu beobachten, dürften die Protagonisten dies als erwünscht und keineswegs nur als Nebeneffekt betrachten. Umso skeptischer betrachtet man die Anti-Überwachungsstaat-Proteste der Linken in der Opposition, da sie rein machtpolitisch begründet sind. Viel besser machen es die sich selbst als technische Elite einschätzenden Gruppen aber auch nicht – träumen zwar viele der Nerds von einer Art elektronischer politeia, in der die technische Elite dem Volk mal so richtig vorführt, wo's mit der Internet-Freiheit langgeht, so zeigt sich dann, wenn es ums Geschäft geht, dass eben dieser technischen Elite das Geld-Hemd doch näher ist als der Freiheits-Rock.
*** Aber lassen wir das, es ist ja Sommerloch. Aber das schrumpft schon wie das Bruttosozialprodukt, da heißt es standhaft bei den Grundlagen bleiben und die hören hier immer noch auf den Namen Sommerrätsel. Zehn Fragen aus den Bereichen Hardware, Software und Meatware warten darauf, von den Lesern dieser kleinen Wochenschau gelöst zu werden. Nach Beschwerden über enigmatische Vergangenheitsfixierung der Rätselei im letzten Jahr sind die Fragen diesmal aktueller und einfacher, damit die ganze Familie ihren Spaß haben kann. Zu Gewinnen gibts aber auch dieses Mal wieder nix außer der inneren Befriedigung, all die ahnungslosen Nerds in Grund und Boden gebesserwisst zu haben.
Den Anfang macht die Hardware, passend zum Jubiläum eines großen Ereignisses, eines Riesenschrittes für die Menschheit. Frage 1 startet natürlich kindergartenleicht: 18.15.19.0 5.20.20.0 1.0.0.0 18.15.3.0 11.19.0.0 Tja, welches Ereignis ist hier gemeint?
*** Oh friedliche Sommerzeit. Gemütlich schleppt sich die Schweinegrippe aus Mallorca kommend durch die norddeutsche Tiefebene. Man döst am Dümmer mit leichtgebauten, auch Googlern verständlichen Texten wie der unlöschbaren Lektüre über Ada Lovelace, dieser großen Liebe von Konrad Zuse, für die er eigens den Computer erfand. Ja, Literatur macht's möglich, dass Computer doch träumen können: Ada ist die virtuelle Traumfrau, sein tiefstes Geheimnis, die 'ewig-weibliche Triebkraft', die ihn hinzog, wenn schon sonst niemand es machte. So legten Ada und Konrad, die Zufrühgekommenen mit binärer Lust ein Ei. Enorm, was die Kinder tapfer ausbaden müssen, während sie schon das Zuse-Jahr vorbereiten.
Frage 2, während die jüngeren Kinder mit Förmchen am Strand spielen und die älteren sich wundern, was aus der dreidimensionalen Nicht-Marke Lego wird, kommt die Frage ganz spielerisch daher: Welches Gerät steckt hinter dieser kleinen Bastelei rechts?
*** Nicht alle können am Dümmer liegen, einige müssen ja klüger werden oder in der Hitze für den anstehenden Wahlkampf büffeln. Wie lebenslanges Lernen einen Lebenslauf beeinflusst, lernt gerade die SPD-Politikerin Hannelore Kraft, die bereits in der Wochenschau erwähnt wurde. Wir können nach einem ersten Gerichtstermin immerhin dazulernen, dass man nicht den Namen einer Firma in den Lebenslauf schreiben soll, wenn man einmal in einer Firma gearbeitet hat. Nur bei Praktika soll man die Firma erwähnen, wegen der Kompetenz. Wieder einmal zeigt sich hier die dämonische Fratze von Satan Lebenslauf. Weil dieser Generation einfach keine Freizeit mehr verbleibt, verlinke ich fürbittend vor dem rosa Einhorn und dem fliegenden Spaghettimonster, diesen jungen Seelen doch einen Coolen Sommerspaß zu gönnen.
Und komme damit zur Frage 3: Die Flipflops stehen fĂĽr ein Generationenproblem, eines, das nicht einfach mit einer Tapete zugekleistert werden kann, sondern weitgehend unerforscht ist.
*** Die Mondlandung der Amerikaner beschäftigt die Deutschen an diesem Wochenende mehr als die Amerikaner. Besonders Schlichte beschreiben da den Apollo Guidance Computer nach ausgiebiger Konsultation der Wikipedia. Sie wundern sich über die schwachen Rechenleistungen, die von modernen Waschmaschinen übertroffen werden, die regelmäßig Socken aus der Maschine rausrechnen müssen. Dann hatten die Computer, Schreck lass nach, keine grafische Oberfläche und keinen berührungssensitiven Bildschirm. Mit 100 Codes wie 06 44 mussten Befehle eingegeben werden – unvorstellbar, wenn man nur ein iPhone zum Vergleich kennt. Dann sollte man doch lieber am iPhone den Funkverkehr mitlesen, der live getwittert wird. Den Vogel schießt ein kluges Blatt ab, dass die Verschwörungstheoretiker imitiert und Promis befragt, was sie zur Mondlandung gemacht haben. Merkels und Steinemeiers Erlebnisse gibt es derzeit nur in einer gebloggten Zusammenfassung. Ach ja: Vor vierzig Jahren taten mir alle Knochen weh. Ich habe die Mondlandung am Fernseher in einem kleinen Hotel bei Genf verfolgt, nachdem ich von Andorra bis in die Schweiz den lieben langen Tag und die halbe Nacht das Gaspedal bedienen durfte. Der Journalist, mit dem ich Jungspund ohne Führerschein unterwegs war, hatte im Krieg sein Bein verloren und sich in den Bergen die Prothese ruiniert.
Zwangsläufig folgt Frage 4, ein Leser-Vorschlag: Wo sind die Original-Bilder der Mondlandung?
Frage 5 folgt auf den berĂĽhmten FuĂźabdruck und bringt uns in die Gegenwart zurĂĽck: Was zeigt das Bild rechts?
*** Im anlaufenden Wahlkampf haben Parteien immer ein offenes Ohr für ihre Wähler. Das sollte man ausnützen. Im Fluss der vielen Nachrichten dieser Woche ging ein kleiner Brief etwas unter, den ein SPD-Referent an einen schrieb, der in Zukunft alternative DNS-Server nutzen will. In ihm heißt es: "Hingegen die Pädophilen, die um ihre Neigung wissen und diese bekämpfen, danken uns, da sie nun nicht mehr Gefahr laufen, versehentlich auf entsprechende Seiten zu stoßen." Bis heute sind alle Anfragen, entsprechende Dankesbriefe oder Dankesmails von Betroffenen bei aller gebotenen Anonymisierung einmal sehen zu können, von der SPD unbeantwortet geblieben. Eigentlich erstaunlich für eine Partei, die den künftigen Bundeskanzler stellt. Die breite Unterstützung von dankenden Pädophilen kann gar nicht hoch genug veranschlagt werden, auch wenn Peter Maffay und seine Tabaluga-Gang bereits kräftig für Frank-Walter trommeln.
So schmiegt sich Frage 6 in den Diskurs: Im Bild ist das untere Drittel einer klassischen IBM-Lochkarte zu sehen. Ja, die mit 25 Zeilen, die einstmals den Bildschirm begrenzten. Worum geht es im Bild links?
*** User-agent: *
Disallow: /
Worum es hier geht, ist auf den ersten Blick sofort klar. Es ist Googles Antwort auf das Gejammer der Verleger,die Schutz vor Google suchen und gleichzeitig Kohle von Google fordern. Die Antwort ist schlicht gehalten, technisch nachvollziehbar und dennoch unvollständig (Disclaimer: der kleine Verlag in der norddeutschen Tiefebene ist mit dabei, beim Gejammer wie beim Profitieren von der neuen Technik). Denn bei all den Maschinencrawlern der Anbieter und den vielen netten Links auf die "kostenlos" verfügbaren Nachrichten gibt es viele Angebote, die Texte komplett kopieren, natürlich kostenlos und die Lage ausnützen, das juristisch nicht gegen sie vorgegangen wird.
Wer das nicht glaubt, vergleiche nur (ein willkürlich herausgegriffenes Beispiel) diesen Artikel und diesen Artikel. Wäre ein Link mit Zitat nicht ausreichend? Das freie Netz ist immer die Freiheit des komplett Kopierenden, alles andere ist ein Hirngespinst.
Frage 7: Um welches Hirn geht es im Bild rechts?
Jetzt wird es knifflig! Auf den Vorschlag eines Lesers wird in allen Ausgaben des Sommerrätsels ein spezieller Logo-Contest eingerichtet. Zu jedem Thema wie Hardware, Software werden 3 Firmenlogos gezeigt und eines passt nicht in die Reihe. Jawohl, das WWWW sinkt auf 'Pilawanifo'!
Virtuelle Bonuspünktchen gibt es für die, die alle drei Firmen der Frage 8 korrekt nennen können. Welches Logo passt nicht in folgende Reihe?
*** Und sonst so? Am vergangenen Freitag ist Leszek Kolakowski gestorben. Seine Arbeit hat unter anderem dafür gesorgt, dass die Erinnerung an bedeutende Denker wie Ludwig Krzywicki und Stanislaw Brozowksi wach blieb. "Hätten nicht die neuen Generationen unaufhörlich gegen die ererbte Tradition revoltiert, würden wir noch heute in Höhlen leben. Wenn die Revolte gegen die ererbte Tradition universell wird, werden wir wieder in Höhlen leben." Am Geburtstag von Nelson Mandela darf natürlich Free Nelson Mandela nicht fehlen, diesmal in der Version mit Amy Winehouse.
Was wird.
Es ist ganz kurz, schlieĂźlich ist jetzt die Gefahr groĂź, ins Sommerloch zu fallen.
Frage 9 ist schlicht ein Foto, das auf ein bald anstehendes nettes Sommerfestival verweist: Was macht die Maschine im Bild links?
Frage 10 schließt sich an, auch wenn es Winter werden wird, ehe diese so beschriebene "Maschine mit dem Ping" aktiv wird. Nur Lösungen mit dem korrekten Bildverweis werden akzeptiert! Um welches die Privatsphäre schützendes Produkt handelt es sich, das in einer aktuellen Pressemeldung dieser Tage so beschrieben wird: "Wer sich in einer großen Gruppe befindet und sich dringend danach sehnt, kurz verschwinden zu können, dem helfen wir mit unserer Erfindung, diesen Wunsch nach Privatsphäre im öffentlichen Umfeld schnell und stufenweise umsetzen zu können."