EverQuest: Virtuelle Spielwelt mit realen Problemen
Ausgerechnet die Realität scheint die Online-Spielewelt EverQuest einzuholen: Eine Inflation droht, die Balance des Spiels zu kippen.
Online-Spiele sind in den letzten Monaten aus dem Boden geschossen wie Pilze zur Herbstzeit. Egal, ob man als Ritter durch Camelot ziehen oder Fantasywelten als Zauberer durchstreifen möchte: Für beinahe jede Spielernatur haben die Entwicklerstudios eine Online-Welt geschaffen. Wer jedoch glaubt, sich in den virtuellen Welten seiner realen Probleme wie beispielsweise Geldsorgen zumindest für kurze Zeit entledigen zu können, täuscht sich gewaltig.
Wenn man einem Bericht der BBC Glauben schenkt, steht das Ökonomiesystem der Onlinewelt EverQuest derzeit Kopf. Neben den aus WarCraft III bereits bekannten Dupes, mit denen sich wertvolle Gegenstände mühelos kopieren lassen, bedrohen jetzt Makros die Balance des Spiels. Denn durch Tools, die offenbar Arbeitsabläufe wie die Produktion von Gegenstände automatisieren, wird in die Spielewelt zusätzlich Geld gepumpt -- ein Phänomen, das in der realen Welt gemeinhin eine Inflation auslöst.
Zu den Spielern, die seit Fertigstellung von EverQuest die virtuelle Welt durchstreifen, zählt auch Pierre Groth. "Um beispielsweise einen Pfeil herzustellen, muss man die Zutaten kaufen, in einen Container legen und diese dann per Knopfdruck kombinieren. Für gewöhnlich rentiert sich der Verkauf eines Pfeils aber nicht. Hat der Spieler jedoch einen hohen Charisma-Wert und außerdem einen guten Stand beim Händler, kann er seine Pfeile für einen minimalen Gewinn verkaufen", erklärt Groth. Wenn man jedoch Makros einsetzt, könnte man einen weitaus höheren Gewinn einfahren und so den vom Entwickler beabsichtigten Effekt, mit niedrigen Gewinnen die Spieler vom Verkaufen abzuhalten, hintergehen, meint Groth. Dem Entwickler Verant Software bleibt daher nichts weiter übrig, als wie angedroht die Accounts der Betrüger zu sperren -- Einfluss auf die Geldmenge hat er damit aber nicht.
Die Entwickler kommender Online-Spiele wie Shadowbane haben diese Gefahr erkannt und Mechanismen ausgetĂĽftelt, um die Geldmenge auf einem bestimmten Niveau zu halten. Denn im Gegensatz zu EverQuest nutzen sich in Shadowbane Waffen auch ab und mĂĽssen daher entweder gegen Bares repariert oder nachgekauft werden. (daa)