Ex-MobilCom-Chef bringt Gesamtlösung ins Spiel

Mit einem neuen Schachzug will Gerhard Schmid eine Gesamtlösung für das angeschlagene Telecom-Unternehmen MobilCom voranbringen.

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  • dpa

Mit einem neuen Schachzug will Gerhard Schmid, der ehemalige Chef des Mobilfunkunternehmens MobilCom, eine Gesamtlösung für das angeschlagene Unternehmen voranbringen. Seine Aktienanteile und damit die Mehrheit auf der Hauptversammlung sollten treuhänderisch auf MobilCom-Aufsichtsrat Dieter Vogel übergehen, teilte Schmid am Freitag in Büdelsdorf mit. Vogel führt gegenwärtig die Verhandlungen mit France Telecom über eine weit reichende Übernahme der MobilCom-Schulden durch die Franzosen. "Er soll alle Fäden und Vollmachten zur Rettung von MobilCom in der Hand halten", erklärte Schmid.

Bei dem Schmid-Vorstoß handelt es sich bislang um einen Vorschlag, der von Vogel noch akzeptiert werden muss. Eine offizielle Reaktion liegt bislang nicht vor. "France Telecom hat sich zur umfassenden Schuldenübernahme bereit erklärt, Vorstand und Betriebsrat konnten sich auf ein Sanierungskonzept einigen und auch ich bin bereit, meinen Beitrag für eine positive Gesamtlösung zu leisten", sagte der MobilCom-Gründer. Falls Vogel treuhänderisch über die Aktien verfügen würde, könnte Schmid in einer Hauptversammlung eine mögliche Lösung nicht mehr behindern. Die Vereinbarungen, die Vogel mit France Telecom treffen will, bedürfen der Zustimmung einer Hauptversammlung.

In der kommenden Woche stehen wieder wichtige Vorentscheidungen für die Zukunft des schleswig-holsteinischen Unternehmens bevor. Am Montag tagt der Verwaltungsrat von France Telecom zum ersten Mal unter der Leitung des neuen Chefs Thierry Breton. Dabei steht die MobilCom-Problematik auf der Tagesordnung. Der französische Konzern ist hoch verschuldet und will keinesfalls neue Mittel an das deutsche Mobilfunkunternehmen geben. Andererseits ist Breton-Vorgänger Michel Bon weit reichende vertragliche Verpflichtungen gegenüber MobilCom eingegangen. Gegenwärtig ist offen, ob der Verwaltungsrat am Montag zu einer Lösung findet.

Am kommenden Donnerstag läuft zum vierten Mal der Großkredit über 4,7 Milliarden Euro aus, den die Banken bereits mehrfach gestundet haben. Seit Anfang Oktober muss MobilCom für diesen Kredit, der sich aus dem Lizenzkauf für den neuen Mobilfunk-Standard UMTS ergeben hat, auch keine Zinsen mehr bezahlen. Wenn die Banken die Geduld verlieren und das Geld zurückfordern, muss MobilCom Insolvenz anmelden. Dann hätten jedoch die Banken das Geld mit hoher Wahrscheinlichkeit eingebüßt. Sicher ist bislang lediglich, dass 1.850 der rund 5.000 Arbeitsplätze gestrichen werden. (dpa) / (jk)