Eine Woche der Entscheidungen für MobilCom

Für den angeschlagenen Telecom-Konzern geht es in der kommenden Woche um die Wurst: France Telecom entscheidet über das weitere Vorgehen und der Bankkredit läuft zum vierten Mal aus.

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Von
  • Jürgen Kuri

Außer Spesen nichts gewesen? Das lange Durcheinander um MobilCom, Gründervater Gerhard Schmid und seine Anteile am Unternehmen sowie das Vorgehen von France Telecom findet wohl erst dann wirklich ein Ende, wenn sich die Franzosen nach ihrer Verwaltungsratssitzung am morgigen Montag über ihre Haltung zu dem angeschlagenen Büdelsdorfer Unternehmen äußern. Dann werden auch die kreditgebenden Banken über ihr weiteres Vorgehen entscheiden. Schmids jüngster Vorschlag dagegen versackte zwischen den Zeilen der Zeitungsberichte, bevor er überhaupt so richtig Wirkung entfalten konnte: Dieter Vogel, MobilCom-Aufsichtsratmitglied und Beauftragter der Bundesregierung zur Sanierung von MobilCom, sieht keinen Anlass, als Treuhänder von Schmid aufzutreten.

Der Ex-MobilCom-Chef hatte vorgeschlagen, Vogel solle alle Fäden und Vollmachten zur Rettung von MobilCom in Händen halten. Dazu bot er an, ihm die treuhänderische Verwaltung seiner Anteile an MobilCom zu übertragen -- Schmid selbst hätte dann bei einer möglichen Einigung mit France Telecom kein direktes Mitspracherecht mehr und könnte eine Lösung auch auf der anstehenden Hauptversammlung nicht behindern. Vogel lehnte dies aber ab, berichtete die Berliner Zeitung in ihrer Samstagsausgabe. Er wolle die Unabhängigkeit bewahren, die für ihn in seiner Funktion als Beauftragter der Bundesregierung zwingend sei.

MobilCom-Großaktionär France Telecom hatte schon vor einiger Zeit durchblicken lassen, dass eine Einigung mit MobilCom nur dann in Frage komme, wenn Schmid dabei nicht mehr mitreden könne. Der nach langen Auseinandersetzungen mit dem hochverschuldeten französischen Konzern gefeuerte MobilCom-Gründer hatte vor einigen Tagen bereits erkennen lassen, er wolle einer Einigung nicht mehr im Wege stehen -- wenn sich auch France Telecom künftig bei MobilCom heraushält. Die Franzosen hatten Mitte des Jahres ihre Zusammenarbeit mit MobilCom beim Aufbau einer UMTS-Infrastruktur in Deutschland aufgekündigt. Die Verhandlungen drehen sich nun darum, ob France Telecom für die Verbindlichkeiten von MobilCom in Höhe von bis zu 7,5 Milliarden Euro einsteht.

In der kommenden Woche steht außer am Montag mit der Verwaltungsratssitzung von France Telecom, bei der die MobilCom-Angelegenheit auf der Tagesordnung steht, ein weiterer wichtiger Termin für das Büdelsdorfer Unternehmen an: Am Donnerstag läuft zum vierten Mal der Großkredit über 4,7 Milliarden Euro aus, den die Banken bereits mehrfach gestundet haben. Seit Anfang Oktober muss MobilCom für diesen Kredit, der sich aus dem Lizenzkauf für den neuen Mobilfunk-Standard UMTS ergeben hat, auch keine Zinsen mehr bezahlen. Wenn die Banken die Geduld verlieren und das Geld zurückfordern, muss MobilCom Insolvenz anmelden. Vom Vorgehen der Franzosen hängt auch die weitere Haltung der Banken ab. (jk)