Bürgerrechtler greifen die US-Unterhaltungsindustrie an

Das Electronic Privacy Information Center appelliert an die US-amerikanischen Universitäten, nicht wie von der Unterhaltungsindustrie gewünscht die Netzaktivitäten zu überwachen.

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"Lehrer und Studenten brauchen ihre Freiheiten zum Nachforschen, Studieren, Hinterfragen, um Verständnis und Reife zu erlangen. Ansonsten würde unsere Zivilisation stillstehen und sterben." Pathetische Worte gebrauchen die Datenschützer vom Electronic Privacy Information Center (EPIC) -- und damit einen ähnlichen Tonfall, wie ihn die US-amerikanische Unterhaltungsindustrie gerne bemüht, um die Rechte am geistigen Eigentum zu schützen. An diesen will das EPIC auch gar nicht rütteln, doch es sieht in der schriftlichen Aufforderung der vier großen Branchenverbände an die US-amerikanischen Universitäten und Colleges einen Affront gegen die Bürgerrechte.

In rund 2000 Briefen hatten sich unter anderem die Recording Industry Association of America (RIAA) und die Motion Picture Association of America (MPAA) an die Bildungsinstitute gewandt, damit diese gegen den Tausch von Musik- und Filmmaterial vorgehen und die Netze überwachen. Das EPIC ist aber der Meinung, auch wenn mit Hilfe der universitären Internetzugänge Urheberrechte verletzt würden, könnten dadurch nicht in der Verfassung festgelegte Rechte außer Kraft gesetzt werden. Sie hat deshalb einen eigenen Brief zu der Angelegenheit an die Universitäten verschickt.

Die Überwachung des Datenverkehrs stehe diametral zur Mission der Bildungsinstitutionen, zu kritischem Denken und Hinterfragen zu erziehen. Um Gesetzesverstöße aufzudecken, müssten die gesamten Netzaktivitäten überwacht werden. So ein Vorgehen sei unpraktikabel und stehe nicht im Einklang mit der Freiheit des Denkens, aber auch nicht mit bestehenden Gesetzen wie dem Federal Educational Rights and Privacy Act (FERPA).

Doch nicht nur die Freiheit der Bildung sei gefährdet. Falls sich die Musik- und Filmindustrie durchsetze -- und dies versuche zumindest die RIAA ja auch im privatwirtschaftlichen Bereich -- stehe der Datenschutz und die Meinungsfreiheit als solches auf dem Spiel. Was heute zum Schutz der Urheberrechte installiert werde, könne morgen zur Kontrolle von Ideen dienen. Deshalb appelliert das EPIC an die Vorsteher der Hochschulen, die legitimen Interessen der "Copyright-Industrie" zu bedenken, aber auf Techniken zu verzichten, die gegen den Datenschutz verstoßen. (anw)