Online-Broker sind bei Anlegern derzeit nicht gefragt
Fast 80 Prozent aller online investierenden Privatleute haben die Anzahl ihrer Geschäfte am Computer als Folge der negativen Börsenentwicklung deutlich verringert.
"Mit der Baisse kam der Vertrauensverlust", fasst das Marktforschungsinstitut NFO Infratest eine aktuelle Studie zusammen. Sie ermittelte, dass Aktiengeschäfte per Internet bei den deutschen Privatanlegern nach dem Ende des Börsenbooms nicht mehr hoch im Kurs stehen. Fast 80 Prozent aller online investierenden Privatleute haben die Anzahl ihrer Geschäfte am Computer als Folge der negativen Börsenentwicklung deutlich verringert.
Der Abschwung an den Weltbörsen habe zu einer tiefen Verunsicherung der privaten Anleger in Deutschland geführt. Dies schlage sich unter anderem in einer deutlichen Verringerung der Trading-Volumina nieder. Davon besonders betroffen seien vor allem Direct-Broker, die ihr Kerngeschäft auf die Online-Abwicklung von Wertpapieren konzentriert haben. So haben die drei großen deutschen Direktbroker Consors, DAB und Comdirect im vergangenen Jahr horrende Verluste eingefahren und deshalb strikte Sparkurse eingeschlagen.
Jeder dritte Online-Anleger meint laut der Studie, gerade in Zeiten einer schlechten Börsenentwicklung könne ein Berater bei einer Filialbank mehr leisten als ein Online-Broker. Jeder Fünfte zeigte sich überzeugt, dass die Aktienhändler im Internet sogar verantwortlich für die Verluste vieler Kleinanleger seien, weil sie ihre Kunden nicht richtig informiert hätten.
"Für die Online Brokerage-Anbieter wird es in den kommenden Monaten vor allem darum gehen, dem Vertrauensverlust bei den eigenen Kunden entgegenzuwirken", raten die Marktforscher. Entscheidende Bedeutung kämen Online-Services und Beratung zu, die den Kunden in seinen Entscheidungen unterstützen und ihm das Gefühl von Sicherheit vermitteln sollen.
Befragt hatte NFO Infratest fĂĽr die Studie 644 "Online-Investoren" -- also Anleger, die schon mindestens einmal via Internet mit Aktien gehandelt haben -- sowie 303 "Offline-Investoren" in Deutschland. "Offline-Investoren" nennen die Marktforscher Web-Nutzer, die allein den "klassischen" Weg des Aktienhandels gehen. (anw)