IDC-Marktforscher rechnen mit massiver Cyber-Attacke
In ihrer alljährlichen Vorausschau sind die US-amerikanischen Analysten etwas vorsichtiger, nachdem sie für dieses Jahr den wirtschaftlichen Umschwung vorhergesagt hatten.
"Wer nicht über die Zukunft nachdenkt, wird keine haben", soll der englische Literaturnobelpreisträger John Galsworthy gesagt haben. So haben denn die Marktforscher der International Data Corporation (IDC) einen Blick ins kommende Jahr geworfen, um zu einer durchwachsenen Prognose zu kommen. Die schlechte Nachricht zuerst: 2003 wird es vor dem Hintergrund des drohenden Krieges gegen den Irak zu einem schweren Anschlag auf den Cyberspace kommen, der das Internet für ein oder zwei Tage lahmlegen könnte, heißt es. Der Angriff könnte als Denial-of-Service-Attacke erfolgen oder als physisches Attentat auf wichtige Netzwerkinfrastruktur.
Wie jedes Jahr haben die IDC-Mitarbeiter ihre Vorhersagen erarbeitet, von denen ihr Chef John Gantz betont, dass durchschnittlich 7 von 10 in Erfüllung gehen. In einem wichtigen Punkt, nämlich der allgemeinen Lage der IT-Branche 2002, lagen die Marktforscher arg daneben, und das musste auch Gantz einräumen: Sie hatten vorhergesagt, dass die IT-Industrie Mitte dieses Jahre die Flaute überwunden haben würde.
Vielleicht ist das der Grund, warum der Optimismus diesmal gedämpfter ausfällt: Die weltweiten IT-Investitionen werden um 6 Prozent auf 1,9 Billionen US-Dollar ansteigen. Allein im Telekommunikationssektor werde das Investitionsvolumen allerdings um bis zu 5 Prozent zurückgehen, nur nicht in aufstrebenden Märkten wie China, Malaysia, Indonesien und Russland. Durch Sparmaßnahmen und Outsourcing werde auch der projektbezogene Service-Sektor nicht wachsen und dafür Outsourcing zu den am schnellsten wachsenden Dienstleistungen zählen.
Positiv schätzen die IDC-Experten die Situation für WLANs, die sich zunächst auf Kosten des Mobilfunks der dritten Generation ausbreiten und sich als Alternative für mobile Internetzugänge anbieten werden. Der E-Mail-Verkehr werde um 30 Prozent auf 40 Milliarden pro Tag anwachsen -- und damit auch die Masse der unverlangt zugeschickten elektronischen Nachrichten. 40 Prozent des E-Mail-Verkehrs werde aus Spam bestehen, glaubt Gantz.
Im Jahr 2003 werden erstmals mehr Fotos digital als auf Filmmaterial gespeichert. Das traditionelle Material werde aber nicht verschwinden. Ebenso wenig wie das Betriebssystem Unix, doch sei damit zu rechnen, dass Linux ihm gehörige Marktanteile wegschnappen werde. Die Open-Source-Software werde auch zunehmend auf Clustern eingesetzt.
Der Gesamtumsatz mit Software werde 2003 um 7,5 Prozent steigen, wobei fĂĽr die bis dahin weltweit 600 Millionen PCs unter anderem besonders Sicherheits- und Software-Managing-Produkte gefragt sein werden. Weiter glaubt IDC, dass es 2003 rund 700 Millionen Internet-Nutzer und 1,5 Billionen US-Dollar Umsatz im Web geben werde. (anw)